Live Today – das Debutalbum von Derrick Hodge

Gute Musik kann eine Schönheit ausdrücken, die weit über das Spielen komplexer Arrangements oder technischer Kabinettstückchen hinausgeht. Bassist Derrick Hodge ist mit „Live Today“, seinem Debut bei Blue Note, auf dem besten Weg in diese Richtung. In den 14 Tracks seines Erstlings demonstriert er eine musikalische Vielfältigkeit, die nie in oberflächlichen Eklektizismus abgleitet. Alle Tracks, egal ob sie sich in Richtung Jazz-, Folk oder Soul bewegen, eint die Tiefe und Intensität, mit der Hodge seinen ureigenen Klangkosmos erschafft.

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Live Today: Gelungenes Debut auf Blue Note Quelle. Universal Music

Live Today: Gelungenes Debut auf Blue Note
Quelle. Universal Music

Die Liste der Musiker, mit denen er schon gespielt hat, ist lang. Aktuell als Bassist eine tragende Säule bei Robert Glasper, stehen so unterschiedliche Musiker wie Terence Blanchard, Gretchen Parlato, Bilal, Mulgrew Miller, Common oder Wynton Marsalis in diesem Verzeichnis.

Die Bandbreite der sich dahinter verbergenden Musikstile spiegelt sich auf „Live Today“ wider. Das erste Stück „The Real“, ist ein Kompendium verschiedenster Einflüsse. Philly-Sound-Bläsersätze, Scratches und Samples finden hier zusammen, ohne das es überfrachtet wirkt. Hodges Arrangements zeichnen sich durch bewusste Einfachheit aus. Mit repetitiven Elementen kreiert er intensive Soundflächen, die den Hörer in die Musik hineinziehen.

Seine Basslinien und die von Chris Dave und Mark Colenburg gespielten Drums und Percussions umspielen Melodiefragmente oder Piano und diverse Bläser mäandern um den von der Rhythmusgruppe vorgegebenen Groove herum. Das hat manchmal etwas von Minimal Music oder modernen Komponisten wie Gorécki und viel von Jazzrock und Fusion der 70er und 80er Jahre. Dieser Rückgriff ist immer gekonnt verknüpft mit modernen Sounds aus Jazz, Hip-Hop oder R&B. Diese Fülle ist Ausdruck des ganzheitlichen, über alle Genregrenzen hinausgehenden Musikverständnisses Hodges.

Hat gut Lachen: Derrick Hodge Quelle: Universla Music / Foto: Chris Baldwin

Hat gut Lachen: Derrick Hodge
Quelle: Universal Music / Foto: Chris Baldwin

Keiner der Musiker spielt sich in den Vordergrund. Hodge selbst demonstriert zwar durchaus sein Können an E- und Akustik-Bass, stellt sich aber ebenso in den Dienst der Musik wie seine Mitstreiter. Auch so illustre Namen wie Robert Glasper und Rapper Common fügen sich im Titelsong „Live Today“ organisch in den Sound ein.

Jazzrock passt hier zu hymnischen Tracks wie „Anthem in 7“ oder „Still The One“, dem folkigen „Holding On To You“ mit Sänger Alan Hampton und dem American String Quartet oder dem mit gestrichenem Bass und Hammond B3 gespielten Kirchenlied Doxology. Ein beeindruckendes und spannendes Album, dass eine Tiefe und Intensität bietet, die bei der heutigen Schneller-Höher-Weiter-Mentalität nicht oft zu finden ist.

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