LSD – Leclaire schreibt drauflos

Die wöchentliche Dosis Sprachschlag! Kann ein Musikmagazin ohne die wöchentliche Dosis Sprachschlag auskommen? Natürlich nicht. Im festen Glauben, ich hätte das Wort Sprachschlag soeben erfunden, vergewissere ich mich sicherheitshalber bei der Firma google, die mich allerdings sofort eines Besseren belehrt. Auf der Internetseite von Hans Tutschku finde ich eine Komposition für Schlagzeug und live-Elektronik mit besagtem Titel.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Google liefert mir zu meiner Überraschung allerdings auch noch folgendes Ergebnis:

Rainald Grebe, Quelle spiegel.de

Rainald Grebe, Quelle spiegel.de

„… der die scharfe Hippe hatte, und sprach: Schlag an mit deiner scharfen Hippe und schneide die Trauben vom Weinstock der Erde; denn seine Beeren sind reif!“ (Offenbarung 14:18)

Ich frage mich, ob die Computer schon reif sind für den Sprachschlag und höre mir erst einmal die Komposition von Hans Tutschku an. http://www.tutschku.com/content/works-SprachSchlag.de.php

Tutschku erläutert seine Komposition wie folgt:

„SprachSchlag ist ein rhythmischer Dialog zwischen Schlagzeug und live-Elektronik. Alle Rhythmen wurden von Analysen verschiedener Sprachen abgeleitet…“

Da der Begriff Sprachschlag sowohl in der modernen Musik auftritt – Tutschku sei Dank – und google aus Ratlosigkeit die sprachliche Brücke sogar bis zur Offenbarung schlägt, ist der thematische Rahmen für diese kleine Reihe weit gesteckt und ich rufe aus:

„Sprache schlägt mir ins Gesicht, jedoch verstehe ich sie nicht.

Ist’s Musik aus alter Zeit, der Offenbarung teurer Eid?

Der Sprachschlag ist’s, der irre Tor

LSD – oh sieh dich vor.“

Nach dieser kurzen Einleitung folgt auch schon mein heutiges Thema dieser irren Reihe: Sprache und Musik

Leonard Bernstein hat bereits in seinem Buch „The Unanswered Question“ umfassend die Analogie zwischen Sprache und Musik behandelt. Ich will mir heute aus diesem großen Feld aus aktuellem Anlass das Thema Politiker, Sprache und Musik herausgreifen und anhand eines Beispiels einige Gedanken entwickeln, die unsere Demokratie voranbringen könnten.

Das Stück für Politiker und Drums von Jonny König „Stoiber On Drums“ ist bei Youtube zu sehen und zu hören

ist ein schönes Beispiel wie auch aus dem furchtbarsten Gestammel unserer Politiker durch die musikalische Bearbeitung desselben etwas künstlerisch Wertvolles entstehen kann.

Stoiber On Drums, Quelle Youtube

Stoiber On Drums, Quelle Youtube

Wie wäre es also, wenn sich der Deutsche Bundestag nach der Wahl 2013 mit einer Zweidrittelmehrheit dazu entschließen könnte, sich einen Hausdrummer zu gönnen, der etwas langatmige Reden, wie z.B. die der amtierenden Bundeskanzlerin, zu etwas mehr Schwung verhelfen würde. Falls es die Haushaltsmittel zulassen, könnte die Band natürlich auch etwas größer ausfallen, was den Vorteil hätte, dass auch Zwischenrufe von verschiedenen Stimmen instrumentiert (Achtung!) und kommentiert werden könnten. Um zu verhindern, dass das Orchester von einzelnen Fraktionen für Ihre Zwecke instrumentiert wird, müsste das Orchester vom amtierenden, überparteilichen Bundespräsidenten dirigiert, deligiert? werden.

Unter der musikalischen Leitung von Rainald Grebe könnte man sich durchaus überlegen, die Debatten wieder live im Fernsehen zu übertragen. Was würde Rainald dazu sagen? „Ich bin der Präsident.“

In diesem Sinne,

bis neulich.

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Über Andreas Leclaire

Freischaffender Pianist, Gründer des Lakeside Jazzclub Schwerin