Various Artists – „Bonheur Et Mélancolie“: Wie ein Apéritif im Bistro

Eigentlich sind sie als Trance- und House-DJs groß geworden. Aber schon lange hält es sie nicht mehr in dieser Ecke. Piet Blank und Jaspa Jones lieben Musik in all ihren Facetten. Das haben sie bereits mit der renommierten „So80s“-Reihe unter Beweis gesetzt. Akribisch suchten sie dafür skurrile bis rare Maxi-Versionen zusammen, um dieses Jahrzehnt neu zu beleuchten. Nun wagen sie mit „Bonheur Et Mélancolie“ einen Abstecher nach Frankreich, das bekannt ist für sein ganz eigenständiges Verständnis von guter Popmusik.

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Très chic: Blank & Jones frönen dem French-Pop (Quelle: Soundcolours)

Très chic: Blank & Jones frönen dem French-Pop
(Quelle: Soundcolours)

Schon immer zeichneten französische Hitparadenstürmer sich dadurch aus, den angloamerikanischen Sound nicht bloß zu imitieren, sondern einzubauen in die lange Tradition des Chansons. Während hierzulande – vielleicht auch aufgrund der geschichtlichen Situation – verpasst wurde, deutsche Schlagermentalität mit Rock’n’Roll und Blues salonfähig zu vereinen, gelang dieser Spagat in Frankreich mühelos. Bis heute besitzt das Land der Liebe und des guten Weines eine sehr eigenständige Popkultur, von der wir Deutschen nur träumen können.

Vielleicht schielen wir deswegen regelmäßig und nicht ohne Neid auf das, was da geschieht. Und gerne finden wir auch das gut, was da zu uns rüberkommt. Man erinnere sich an den Erfolg von Zaz oder dem Film „Ziemlich beste Freunde“. Bei unseren Nachbarn scheint alles irgendwie leichter und auch poetischer zu gelingen.

Das mögen sich Blank & Jones auch gedacht haben, als sie sich an die Arbeit zu diesem Sampler machten. Der Titel beschreibt dabei ziemlich genau den Kern des französischen Schlagers. French-Pop verbindet gleichermaßen das Gefühl des Glücks mit dem Wissen um seine Vergänglichkeit.

Tiefenentspannte Songs von so namhaften Künstlern wie Benjamin Biolay, Sébastien Tellier, Rose, Vincent Delerm oder Coralie Clément lassen einen sofort an kleine Bars, Milchkaffee und Croque Monsieuer denken. Zwar hat die renommierte Reihe „Le Pop“ in Sachen Vielfältigkeit mehr zu bieten, aber „Bonheur Et Mélacolie“ ist die Liebeserklärung zweier Musikfanatiker an die Kreativität, die im französischen Pop-Business nie zu kurz gekommen ist.

VÖ: 20.09.2013 (Soundcolours/Soulfood)

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!