Zukunftsmusik!? – Eine Ausstellung im Spohr Museum Kassel

Unter dem Titel „Zukunftsmusik!?“ zeigt das Spohr Museum Kassel in einer Sonderausstellung Karikaturen zur Musikentwicklung im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung befasst sich mit einer Zeit der Umbrüche. In dieser Epoche fand der Übergang vom höfischen zum bürgerlichen Konzert statt, Musik wurde erstmals zu einem Massenphänomen und die Industrialisierung begann sich auch auf den kulturellen Sektor auszuwirken. Die Auseinandersetzung um Musik wurde in dieser Zeit nicht etwa beiläufig geführt, sondern nahm bisweilen einen fast existentiellen Charakter an. Die Ausstellung lässt diese Zeit anschaulich lebendig werden. Sie wählt dafür den aufschlussreichen und unterhaltsamen Blick aus der Sicht der Karikaturisten.

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Richard Wagner in einer Karikatur von Leslie Matthew Ward (Quelle: Spohr Museum Kassel)

Richard Wagner in einer Karikatur von Leslie Matthew Ward (Quelle: Spohr Museum Kassel)

Die Protagonisten der Ausstellung sind – wie könnte es im Spohr Museum und im Wagner-Jahr anders sein? – Louis Spohr und Richard Wagner, die den Besuchern an der Außenwand des Ausstellungsraums als Schattenrisse entgegen treten. Spohr kommt dabei eher die Rolle des Kritikers, Wagner die des Kritisierten zu. Doch schon Otto Böhlers Schattenriss „Wagner und die Kritiker“ an der Außenwand stellt die Kritik in eine humoristische Perspektive: Hier tanzen die Kritiker wie machtlose Zwerge um den Riesen Richard Wagner.

Wagners „Zukunftsmusik“ bildet Titel und roten Faden der von Ulrike Städtler kuratierten Ausstellung. Wagner wurde von den Zeitgenossen auch in Zusammenhang mit der Industrialisierung und Technisierung gesehen, wie etwa Karl Klics Karikatur „Die Bayreuther Tonkunstdampfmaschine“ zeigt. Hier sieht man Franz Liszt in geistlicher Kleidung an der Tastatur, während Wagners Kopf als Dampf aus dem Schalltrichter eine mechanisch betriebenen Horns aufsteigt.

Liszt, vor allem seine Wirkung auf die Damenwelt, wird von den Karikaturisten ebenso aufs Korn genommen wie Nicolò Paganini. Die satirischen Darstellungen werden dabei unterfüttert und kontrastiert mit anderen zeitgenössischen Quellen wie etwa Carl Guhrs „Ueber Paganini’s Kunst, die Violine zu spielen“. Mehrere Hörstationen machen das Gezeigte auch klanglich erfahrbar und runden so das Bild dieser gelungenen Ausstellung ab.

Über eine Karikatur auf den „Maple Leaf Rag“, Ernst Maria Langs Tellersatire „von Karajan“ und einige Werke von Tomi Ungerer wird dann schließlich der Blick bis in unsere Gegenwart geweitet, die ja aus der Sicht des 19. Jahrhunderts noch Zukunft war. Die Ausstellung kann noch bis zum 23. Februar 2014 im Spohr Museum (Kulturbahnhof Südflügel, Franz-Ulrich-Straße 6, 34117 Kassel) Samstag bis Montag von 10 bis 16 Uhr und Dienstag bis Freitag nach Vereinbarung (Tel. +49 (0)561 7662528) besichtigt werden. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber natürlich willkommen.

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