Sublime Schönheit: Autechres Gantz Graf

Autechre gelten als Avantgardisten in der Szene. Kaum einer hat wie sie das Experiment in der elektronischen Musik so sehr zelebriert. Als ich dann kürzlich meinen Plattenkoffer durchwühlte stieß ich auf die 2002 veröffentlichte EP Gantz Graf, die man als einen Precursor zu Mark Fells Mustistability lesen sollte.

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Gantz Graf, Quelle: Discogs

Gantz Graf, Quelle: Discogs

Gantz Graf gibt eine wortgewaltige Antwort darauf, wie sich radioaktiver Zerfall auf der subatomaren Ebene anhören muss: Massive physikalische Kräfte, die aneinander zerren, sich nicht loslassen können und doch ihrer Zerfällung in feinste Splitter entgegenstreben. Dial gibt sich zumindest die Mühe dem Chaos einen IDM-Beat zugrundezulegen, der das Ganze zwar nicht zusammenhalten vermag, aber immerhin etwas von der gewöhnlichen musikalische Sozialisation übriglässt, die einen ansonsten begleitet. Die verrauchten Skalen ergeben einen sheppardschen Spannungsbogen, der sich durch die Synapsen bohrt wie galoppierender Wahn. Die Cuts besitzen ihre sublime Schönheit, gerade weil sie in ihrer Zufälligkeit und ihren zahlreichen Metamorphosen immer wieder zu einer körperhaften Plastizität zurückkehren. Es ist eben eine Kunst guten Noise zu komponieren, der sich keinem weißen Rauschen bedient, sondern die volle Klangfarbe des Krachs ausschöpft und sie kreativ einzusetzen vermag.

Das Album schließt beinahe versönlich, mit verzerrten sakralen Gesängen, die, man höre und staune, durch eine unterschwellige Tonalität geerdet, fast vertraut klingen.

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Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.