The Shouting Matches: Grownass Man

Meint der etwas salopp klingende Titel eigentlich den US-amerikanischen Fußballspieler Eddie Johnson? Dieser wurde anlässlich seiner persönlichen Ablehnung von Videospielen nämlich einmal so genannt, nachdem er gesagt hatte, damit beschäftige er sich nicht, er sei „ein erwachsener Mann“. Inwiefern gilt das aber auch für das aktuelle Album einer hierzulande noch kaum bekannten Truppe? Kann es bedeuten, dass die Band sozusagen als 1 Mann weit genug zusammengewachsen war, die CD herauszubringen oder ist es eine Chiffre für das standfeste Selbstbewusstsein des Frontmanns?

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Justin Vernon, einem breiten Publikum auch bekannt durch die Formationen Bon Iver, Gayngs, Volcano Choir und einige andere, hat sich zu einem der kreativsten Beiträger des Indie-Folk hochgearbeitet und wurde schon mit Midas verglichen, weil jedes Projekt, das er anfasste, zu Gold wurde. Es gelang ihm auch kitschiges Repertoire wie „Beth / Rest“ aus vergangenen Zeiten aufzuwerten und musikalisch zu „veredeln“. Allerdings hat er auch mit den beiden anderen Musikern eine gute Auswahl aus dem Freundeskreis getroffen:Phil Cook von Megafound und Brian Moen, Schlagzeuger der Band Peter Wolf Crier spielen mit und suchen im Trio nun den Anschluss an den „hypen“ Bluesrock. Vernons Stimme stach schon in den vergangenen Jahren durch Falsettgesang und Auto-Tune hervor, was ihm nicht zuletzt zahlreiche neue Fans einbrachte. Im Jahr 2008 hatten sich Moen und Vernon bereits mit den fünf Stücken von „Mouthoil“ als Duo in die Szene eingebracht. Das neue Album nun entstand in der April Base in Fall Creek (Wisconsin) im Zuge einiger Jam Sessions. Es wurde von Plattenkritiker Andreas Menzel als die größte Stärke des Albums bezeichnet, dass es Justin Vernon und den beiden Kollegen gelingt, die pure Freude an diesen „Delta Blues“ – Sitzungen mit „Grownass Man“ so gut herübergebracht zu haben.

Einzuordnen ist der Sound der 10 Stücke in etwa in das Umfeld der Bands The White Stripes, The Black Keys und Two Gallants. Live sind die Nummern bereits im April 2013 beim Coachella Festival zu hören gewesen; dies dürfte das offizielle Debut gewesen sein. Während unter den ersten fünf für sich stehende „Perlen“ gefischt wurden, insbesondere mit den Tanzrhythmen von „Mother, when?“ und dem laut im Südstaatensound hereinbrechenden „Heaven knows“ unter Einsatz von Fuzz-Gitarre und Mundharmonika, gerät die zweite Hälfte mit vielleicht einer Ausnahme etwas gemütlicher und konventioneller und scheint eher „zum Abhängen“ geeignet, atmet also die andere Seite der Festivalatmosphäre.

Den künftigen Fans hier und der erst frisch aus dem Ei gepellten Band ist zu wünschen, dass es in den kommenden Jahren auch einmal zu einer Europa-Tour kommt.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.