Covenant in München: Sounds and Visions

„That’s the best Munich gig ever“. Dieser Ausspruch stammt nicht etwa von Covenant-Sänger Eskil Simonsson, sondern von Daniel Graves, Frontmann der Vorgruppe Aesthetic Perfection. Aber die Bemerkung umreißt so ziemlich genau den gesamten Abend des 18. September im Münchner Backstage, der ganz im Zeichen perfekt gestalteter elektronischer Musik nebst ansprechender Lichtshow stand.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Covenant beeindruckten durch eine perfekte Show (Foto: Antje Bissinger)

Covenant beeindruckten durch eine perfekte Show
(Foto: Antje Bissinger)

Mit Aesthetic Perfection als Vorgruppe hat man einen guten Griff getan. Das amerikanische EBM-Projekt legte in den letzten Jahren deutlich an Substanz zu. Mit einem Live-Schalgzeuger, der wie das Tier aus der Muppetshow seine Trommeln bearbeitet, und einem mit den Gästen interagierenden Sänger, wurden die Besucher schnell auf Betriebstemperatur gebracht.

Das Feld war also bestellt, und Covenant ernteten. Sie haben es aber auch geschickt angestellt: Aus dem neuen Album „Leaving Babylon“ suchten sie die markanten Eckpfeiler aus, allen voran „Thy Kingdom Come“, „Ignorance & Bliss“ und „Prime Movers“. Da die neue Scheibe voll von livetauglichen Stücken ist, war es ein leichtes für die Norweger, von Anfang bis Ende zu brillieren. Selbst das etwas sperrige „I Walk Slow“ funktionierte, ohne dass das Publikum die Konzentration verlor. Bei der Wahl ihrer Evergreens hat die Gruppe ebenfalls alles richtig gemacht. Höhepunkt war sicherlich „Edge Of Dawn“, ihr notabene erster Club-Hit von vor über 15 Jahren.

Sänger mit Charisma: Eskil Simonsson (Foto: Antje Bissinger)

Sänger mit Charisma: Eskil Simonsson
(Foto: Antje Bissinger)

Eskil, gewohnt in eleganter Garderobe mit Anzug und Krawatte, wirkte konzentriert, ohne das Feiern zu vernachlässigen. Währenddessen arbeiteten sich seine Kollegen an den Geräten ab und beeindruckten durch Live-Einspielungen am Moog-Synthesizer. Da wurden Kabel in Windeseile gesteckt, um verrücke Sounds zu kreieren, die den Einspielungen zusätzlich Dynamik verliehen.

Eine große LED-Wand tauchte den Auftritt in leuchtende Farben, die sich der Stimmung des Songs anpassten. Ein wenig erinnerte dies an die Videodarbietungen von Kraftwerk, wenngleich die Skandinavier natürlich nie deren Qualität erreicht. Was sie aber auch nicht nötig haben. Denn Covenant ist immer noch eine Band, die, ihrer kühlen Elektronik zum Trotz, mit einer Rampensau als Sänger immer noch sich und nicht nur ihre Stücke zum Inhalt haben.

Manchmal ist es so einfach: Covenant hatte Bock auf diesen Abend. Und die Zuschauer hatten Bock auf Covenant. Das Ergebnis ist ein in Klang und Optik auf hohem Niveau gestaltetes Konzert, wie es nur selten zu sehen gibt.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!