Rock’n’Troll: Finntroll, Tyr und Skalmöld live in Hannover

Wenn die Krieger und Trolle aus dem Kalten hervorkriechen und zum Tanz- und Trinkgelage einladen, ist erst einmal pilgern angesagt. Aber nicht in den hohen Norden, nein, am 20.September reichte auch das Hannover Musikzentrum, um sich mit Hilfe drei genialer Bands ganz seinen Folk-Metal-Genen hinzugeben und zu überlegen, ob man seine Kinder künftig trollisch erzieht.

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Heute eher Schlaftablettchen: eri Joensen von Tyr (Foto: Anne Swallow)

Heute eher Schlaftablettchen: Heri Joensen von Tyr (Foto: Anne Swallow)

Skálmöld aus dem frostigen Island legten nach anfänglichen Schwierigkeiten ein anständiges Feuerchen in der Halle und obwohl sie den Wenigsten bekannt gewesen sein durften, drangen besonders die Singles wie „Gleipnir“ schnell in die ungeübten Ohren. Was die Herren an guter Stimmung vorlegten, konnten Tyr jedoch nur schwer halten. Daran, dass kein Mensch weiß, wie man den Bandnamen korrekt ausspricht, lag es aber eher nicht (hat nichts mit Türen oder Tieren zu tun, sondern einfach nur „Tuir“).

Obwohl die Färöer sich seit Jahren als großer Act der Folk-Szene feiern können, blieb von der kriegerischen und melodischen Atmosphäre der Alben auf der Bühne nur wenig hängen. Dass bei dem schlecht kalibrierten Sound „Schlagzeug über alles“ galt, war ja noch zu verzeihen, wesentlich mehr fiel Sänger Heri Joensen auf, der den Eindruck vermittelte, vor dem Konzert erst mal fünf Schlaftabletten gekippt zu haben. Der sonst hochtalentierte Songschreiber bewegte sich kaum zwei Schritte nach rechts und links und wirkte auch beim Singen eher mit den Gedanken woanders, was Bassist Gunnar H. Thomsen hingegen die Chance gab, die Aufmerksamkeit abzustauben und anständig die Party anzuheizen.

Umso heißer war die hannoversche Meute dann auf den Headliner Finntroll und mal ehrlich: Wenn eine Band schon mit langen Ohren, wahlweise Hosenträgern, Zylinder und Offiziersjacke aufkreuzt, kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Tut es auch nicht, Charisma-Meister und Fronttroll Vreth zog das kleine, aber feine Publikum ab der ersten Sekunde in seinem Bann, schrie majestätisch aber dennoch mit einer gewissen Selbstironie seine schwedischen Hymnen heraus und als dann auch noch das keyboardsche Folk-Gedudel einsetzte, war die chaotische Chose perfekt.

Sei es mit dem Düstergekloppe von „Solsagan“, den Songs des neuen Albums „Blodsvept“ oder den alten Klassikern, Finntroll opferten mit jedem Lied ein Stück ihrer Seele und die von unschuldigen kleinen Babytrollen natürlich auch.

Hail to the Troll: Vreth von Finntroll (Foto: Anne Swallow)

Hail to the Troll: Vreth von Finntroll (Foto: Anne Swallow)

Außerdem lernten wir alle von Gitarrist Skymer, dass man tatsächlich auch Schnurrbärte tragen kann, ohne damit wie ein Hinterwäldler auszusehen. Naja, oder vielleicht doch. Völlig wumpe, wer bei „Trollhammaren“ sein Bier noch nicht im Moshpit verschüttet hatte, tat es jetzt, und nach anderthalb Stunden purem Krieg hinterließen die Finnen ihr verschwitztes Schlachtfeld, um im Rest von Deutschland weitere Sterbliche zu ernten und sie ihrem Rock’n’Troll zu unterwerfen (und dann zu essen). Ach ja, und ein Interview mit den Herren konnten wir auch noch abstauben, also dranbleiben, liebe Freunde des Verrotteten!

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.