Jazz für den Mainstream

Max Mutzke in Baunatal

Mit dem gestrigen Auftritt von Max Mutzke hat sich eine alte Weisheit des Jazz bestätigt: It‘s the singer, not the song. Gemeinsam mit seiner Band monoPunk trat Max Mutzke im Rahmen des Baunataler Herbstpalast in der dortigen Stadthalle auf und präsentierte sein aktuelles Album „Durch Einander“ – ein Jazzalbum.

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Eine Bereicherung für den Jazz: Max Mutzke  © Thilo Skusa

Eine Bereicherung für den Jazz: Max Mutzke
© Thilo Skusa

Viele – vielleicht zu viele – Musiker haben sich an Coverversionen großer Jazzstücke schon die Zähne ausgebissen oder sind gar daran gescheitert. Nicht so Max Mutzke. Wie der 31-Jährige, der 2004 durch seine Teilnahme beim Eurovision Song Contest und den Erfolgshit „Can’t wait until tonight“ bekannt wurde, seine ausgesuchten Stücke interpretiert, ist tatsächlich eine Bereicherung für die Jazz-Szene. Vielleicht liegt es an der fehlenden Berührungsangst vor dem Genre und an der Leichtigkeit, mit denen Mutzke die Dinge anpackt.

An nicht einmal zwei Studiotagen wurde das Album im vergangenen Herbst fertig gestellt. Die Stücke wurden ohne Kalkül und mit persönlicher Vorliebe ausgewählt und im Kopf hatte Max Mutzke nicht die Verkaufszahlen sondern den Spaß an der Sache. Und den merkt man ihm auch auf der Bühne an – ebenso wie die Freude an der Improvisation. Absolut stimmgewaltig führt der Sänger am Freitagabend durch sein Programm und zeigt auch nach über zwei Stunden keine Ermüdungserscheinungen.

Mit seiner Band monoPunk – Maik Schott an den Keyboards, Tobias Held am Schlagzeug und Danny Samar am Bass – hat Mutzke zudem drei erstklassige Musiker an seiner Seite, die alle über einen fundierten Jazz-Background verfügen. Mutzke beschränkt sich nicht auf simples Kopieren der Originale sondern lässt sie durch seine Stimme und Persönlichkeit zu echten Unikaten wachsen. Der Opener – Ideals NDW-Hit „Telefon“ – ist im neuen, durchaus kleidsamen Gewand kaum wiederzuerkennen, Alicia Keys „Empire State of Mind“ wird durch die eingängige Drum-Line zu einer groovigen Up-Tempo-Nummer und in Billy Pauls Sehnsuchts-Klassiker „Me and Mrs. Jones“ entfaltet Mutzke die ganze Größe seiner voluminösen Stimme.

Zwischendurch frotzelt er mit dem Publikum; bei seinen Anmoderationen („Ich hab ein Jazzalbum gemacht, deswegen wundert‘s mich, warum heute Abend so viele Leute hier sind!“) und James-Brown-Imitationen („It’s a men’s world“) hat er die Lacher und Sympathien auf seiner Seite.

Überhaupt hat Max Mutzke sein Publikum von Anfang an in der Hand. Es geht an den richtigen Stellen mit und hält an anderen aufmerksam inne. Etwa, als Mutzke von zwei an schweren Depressionen erkrankten Freunden erzählt, denen er das Lied und den gleichnamigen Albumtitel „Durch Einander“ gewidmet hat.

Besonders gut kommt der Exkurs in Mutzkes musikalische Vergangenheit an. In kurzen Snippets gibt der Sänger einen Einblick in die Musik seiner Jugend, die überwiegend von Black- (The Roots) und Pop-Music (Michael Jackson) geprägt war.

„Ich dachte, in Baunatal spielen wir die guten Songs am Anfang, danach kann jeder selbst entscheiden, wann er gehen will.“, begrüßt Max Mutzke scherzhaft sein Publikum. Das hat allerdings auch nach über zwei Stunden noch nicht genug und entlässt Sänger und Band erst nach vier Zugaben von der Bühne.

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Über Sarah Zimmermann

Sarah ist freiberufliche Lektorin und Redakteurin. Sie lebt und arbeitet in Kassel. Schwerpunkte: Singer-Songwriter | Folk-Pop | Independent | (Brit) Pop | Electro