Fernsehen für Asoziale

RTL und SAT 1 müssen Sendebetrieb einstellen

Ich hab geschimpft, ich bin ausgerastet, ich hab gebettelt und gefleht und ich habe geheult. Da war ich 18. Solang habe ich es ausgehalten. Als ich von zuhause ausgezogen bin, habe ich zuallererst dafür gesorgt, dass niemand die Möglichkeit bekommt, in meiner Wohnung fern zu sehen. „Alter Lügenassi, du hast doch ne Glotze“, höre ich meinen imaginären besten Freund petzen, der sich pro Tag aus Stress- und Zeitgründen auf ein Vokabular von 200 Worten begrenzt. Diesen Freund nenne ich jetzt einfach mal „Durchschnitts-Deutschi“. Jeder, der sich im Laufe dieses Artikels angesprochen fühlt, soll wissen, dass das der Plan ist.

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"Hartz IV"-TV-Star Maria; Copyright: RTL

„Hartz IV“-TV-Star Maria; Copyright: RTL

Ich hasse das deutsche Fernsehen. Als Kind hab ich das noch nicht so hinterfragt und ich hab den begründeten Verdacht, dass es damals noch nicht so viel hassenswerten Scheißdreck in der Glotze gab. Es ging los mit diesen Talkshows, die schon immer so unterhaltsam waren wie ein Bandscheibenvorfall und kulturell so bedeutend wie der Tag an dem Bushido sein erstes Wort gesagt hat. Wer Bushido nicht kennt, das ist der, der die dummen Kinder dazu animiert, dafür zu sorgen, dass die schlauen Kinder sich nicht mehr auf die Straße trauen und – wer hätt’s für möglich gehalten – fernsehen, während sie nebenbei im Internet abhängen.

Ich bin – Gott sei Dank – in einer Zeit geboren, in der man noch nicht verdroschen wurde, wenn einem mal ein Relativsatz rausgerutscht ist. Aber gut, deswegen werden Kinder heute auch nicht mehr verdroschen, weil mittlerweile die Vierjährigen schon zu aufgeklärt sind, um noch an den Relativsatz zu glauben. Dafür sorgt unser deutsches Fernsehen.

Wem gibt man an diesem Zustand die Schuld, dass das (noch) am weitesten verbreitete Medium der Welt vor allem in Deutschland eine exakte Gegenwirkung zum Bildungswesen darstellt? Die Schuld geben kann ich keinem Fernsehproduzenten, der kapiert hat, wie einfach und kostengünstig es ist, sich ein Format, das in unserem großen Vorbild USA bereits eine einprozentige Einschaltquote erreicht hat, abzuschauen und in Deutschland nachzumachen. Im Gegenteil, ich muss diesen Produzenten loben, weil er sich in den meisten Fällen dafür einen deutschen Namen ausgedacht oder zumindest den amerikanischen Titel in unsere Muttersprache übersetzt hat. Das ist Mut. Das ist kreativ. Das ist konsequent.

„Durchschnitts-Deutschi“ ist das egal. Der schaut gern mal so richtig „Assi-TV“. Der steht auf „Fremdschämen“ und auf die Möpse von der Katzenberger. Der findet das voll geil, wenn eine im Dschungel Orang-Utan-Eier fressen muss oder wenn der Murat aus „Mitten im Leben“ der Mandy auf die Fresse haut.

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