„Traurig, aber voll von Leben“

Turin Brakes – We Were Here

Dem Titel nach zu urteilen lässt We Were Here eher auf ein Comeback aus der Hip-Hop-Ecke schließen. Tatsächlich aber handelt es sich um das neue Album des Londoner Folk-Pop-Duos Turin Brakes.

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Zurück mit sechstem Studioalbum: Turin Brakes © Community Promotion

Zurück mit neuen Album: Turin Brakes
© Community Promotion

Es ist das mittlerweile sechste Studioalbum von Olly Knights und Gale Paridjani, aufgenommen in den Rockfield Studios im walisischen Monmouth. Nach ihrem gefeierten und für den Mercury Prize nominierten Debüt The Optimist von 2001 mussten sich die Briten immer wieder mit enttäuschten Erwartungen von Fans und Kritikern konfrontiert sehen, die ihnen musikalisches Auf-der-Stelle-treten vorwarfen. Den Anspruch, sich mit jedem Album neu erfinden zu wollen, haben Turin Brakes allerdings auch nie formuliert.

Auf ihrem jüngsten Werk greifen Turin Brakes d i e Sinnfragen auf, die für sie schon vor zehn Jahren aktuell waren. Damit ist We Were Here sozusagen die Antwort auf das Debüt und ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Band. „Ging es auf The Optimist um die Seele eines unglücklichen 21-Jährigen, der gerade seine Unschuld verloren hat, dann beschreibt We Were Here, wo diese Seele ein Jahrzehnt später ist.“, fasst Sänger Olly Knights die Grundidee der Platte zusammen. „Traurig, aber voll von Leben“ seien die zwölf Stücke, bei der sich die Band live und im Studio Unterstützung von ihren langjährigen Freunden und Part-Time-Mitgliedern Rob Allum und Eddie Myer geholt hat.

Nein, von optimistischer Fröhlichkeit fehlt auf We Were Here zumindest sprachlich jede Spur. Das Album ist voll von düster-apokalyptischen Metaphern – „sinking ships“, „darkness“, „dust“ – Endlichkeit, Einsamkeit und der desillusionierte Mensch sind zentrale Motive.

Sleepers etwa beschreibt die tägliche Herausforderung, mit den Realitäten des modernen Lebens umzugehen (“Sleeping is easy // Dreaming is easier // I don’t feel like waking up // Waking up is hard”) und im Titelsong We Were Here geht es um eine Person, die jegliche Anbindung verloren hat (“In the night // So long and restless // I can spend my time // In a place so cold and reckless // You can lose your mind // We Were Here // I sleep in the backroom // I try not to disturb the neighbors // Each room is a galaxy // Time is a fallacy in burst”).

Das eigentlich Erstaunliche – und das Schöne – an We Were Here ist die besondere Wechselbeziehung zwischen Wort und Musik. So schwer und trüb es inhaltlich auch sein mag, musikalisch ist es das nie. Sei es die luftige Akustikgitarre bei Time And Money, die dynamischen Bläser bei Guess You Heard oder der tiefe, wohlige Bass, der einen bei Blindsided Again auffängt: Immer ist es etwas zur Stelle, bevor es ins Melancholische abrutscht. Mit ihrem sechsten Album beweisen die Turin Brakes einmal mehr ein Händchen für leichte Melodien und gutes Songwriting.

We Were Here erscheint am 27. September auf Cooking Vinyl/Indigo.

Tourtermine:
03.12.2013 Berlin – Magnet Club
04.12.2013 Bremen – Tower Musikclub
05.12.2013 Münster – Sputnikhalle
07.12.2013 Köln – Luxor
08.12.2013 Frankfurt am Main – Zoom
09.12.2013 Stuttgart – dasCANN
10.12.2013 München – Atomic Café

Tickets ab 21,70 Euro

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Über Sarah Zimmermann

Sarah ist freiberufliche Lektorin und Redakteurin. Sie lebt und arbeitet in Kassel. Schwerpunkte: Singer-Songwriter | Folk-Pop | Independent | (Brit) Pop | Electro