FILMKRITIK:

WHITE HOUSE DOWN – Parodie auf Amerika?

Roland Emmerich. Der patriotischste deutsche Filmemacher Amerikas? Sein neuester Film spricht diese altbekannte pathetische Sprache, kommt explosiv und unterhaltsam daher, schafft es bei ernster Thematik humoristisch zu sein, und übt erstaunlich viel Kritik an Amerika?

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Emily Cale mit Flagge, Quelle: Sony Pictures, © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

Emily Cale mit Flagge, Quelle: Sony Pictures, © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

Das Setting ist irgendwann jetzt, und der Präsident ist schwarz. Dieser versucht sämtliche Kriege im Osten ein für alle mal zu beenden, Europa und weitere Staaten dabei zur Kooperation zu bewegen, der Waffenlobby die Stirn zu bieten, und das Geld stattdessen für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. [noch irgendwelche Wünsche offen?]

Nachdem alle Charaktere ausreichend etabliert sind, und sich ein als Putzkraft verkleideter Spitzbube, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, mit einer Bombe frei durchs Kapitol bewegt, [Absurd? Ja. Unterhaltsam? Auch.]
explodiert endlich etwas und die sprichwörtliche K**** ist am dampfen.

Cool. Und worum gehts?

Der Film wirft Fragen in den Raum: Wie definiert man Sicherheit? Ist Sicherheit Schutz gegen Bedrohungen von Aussen? Was ist wenn die Bedrohung von Innen kommt? Kann man etwas vollkommen Absichern? Oder wird die totale Absicherung automatisch zu einem System das sich selbst aufhebt? [Frag mal HAL] – Die Thematik scheint zunächst etwas abgegriffen, gewinnt aber im Zuge der gegenwärtigen NSA-Ereignisse erheblich an Relevanz.

Give Me The Same Thing… but different!

Eine Bombe! Quelle: Sony Pictures, © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

Eine Bombe! Quelle: Sony Pictures, © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

Fast jede Szene hat man irgendwie schonmal gesehen. Das stört allerdings kaum, da die Konflikte der Charaktere interessant genug sind, und der Unterton in der Thematik irgendwie fresh und zeitgemäss daher kommt. Ob in einem Aufzugschacht, oder im Oval Office – die Verortung ist meistens eher Nebensache. Die Geschichte würde auch auf dem Mars, oder im Shakespeare-Theater funktionieren.

Der Film schafft es die zum Teil absurden Situationen aufgrund eines spannenden Plots interessant zu gestalten – und jede noch so klischeehafte Szene hat irgendwie einen politischen Unterton. Hin und wieder kommt die Inszenierung mit einer fast schamlosen Self-Awareness daher. [Ich sage nur Abraham Lincolns Taschenuhr]

Das ganze funktioniert trotzdem erstaunlich gut, weil der Plot sich nicht vorrangig auf Action und externe Probleme verlässt – sondern auf Charaktere die souverän konzipiert sind, und mit deren Emotionen sich der Zuschauer identifizieren kann. Das Konfliktpotenzial einer Szene wird zumeist aus den Dialogen entfesselt, die wiederum, nach vorbildlicher Drehbuch-Struktur, das externe Geschehen vorantreiben.

Natürlich gibt es auch Zeitlimits. Explosionen. Raketen. Helicopter. Hacker. Maschinengewehre und unrealistische Stürze. [und Patriotismus. Jaaa. Mit Flaggen und so…] Aber nach guter, alter Actionfilm-Manier – eher im Stil von John McClane von damals – geht es zunächst um Personen und deren Gefühle, die zur Motivation ihres Handels werden – der Actionkrams ist dann einfach noch das „icing auf dem Cake„.

In der Tat ist dieser Film, von seiner Machart eher Old-School, und kommt dadurch mit Qualitäten um die Ecke, die ein Die Hard 5 mittlerweile nicht mehr auf die Kette kriegt.

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Über Milan Grajetzki

Milan Grajetzki | Freiberuflich als Musikproduzent, Gamedesigner und Redakteur. Derzeit Student an der Kunsthochschule für Medien, Köln.