Vorsicht, Klassik!

Hélène Grimaud – Brahms Klavierkonzerte 1 und 2

Es ist nicht leicht, die Massen fernab von Bombast-Soundtracks zu Hollywood-Blockbustern für klassische und orchestrale Musik zu begeistern. Die in der Schweiz lebende Französin Hélène Grimaud ist jedoch prädestiniert dafür. Bereits mit 13 Jahren am Pariser Konservatorium aufgenommen, hatte sie den Ruf als Wunderkind am Klavier schnell weg. Heute gilt die 43 Jahre alte Künstlerin als eine der gefragtesten Pianistinnen der Welt – und als eigenwilliger Charakter. Oft genug hat sie den Weg in die Klatschspalten gefunden, ob als Hobby-Wolfszüchterin oder aufgrund zahlreicher aus Gesundheitsgründen abgesagter Konzerte.

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Hélène Grimaud (Photo: Mat Hennek/DG)

Hélène Grimaud (Photo: Mat Hennek/DG)

Mit den Klavierkonzerten 1 und 2 von Johannes Brahms hat sie sich an zwei Schwergewichte gewagt, die im Booklet der Doppel-CD mit zwei Porträts des Meisters verglichen werden. Auf dem ersten Foto ist er als etwa 20 Jahre alter Jungspund zu sehen, das zweite zeigt ihn Grimaud zufolge „erdenschwer und belastet“, noch dazu in einem zerknitterten Anzug. In der Tat, hört man die beiden mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks beziehungsweise den Wiener Philharmonikern eingespielten Werke, spürt man förmlich die Lebenskraft des jungen und die Bürden des alten Brahms.

Vor allem das zweite Konzert gibt Rätsel auf. Bereits 2007 versuchte Grimaud, es angemessen zu vertonen. Zufrieden war sie mit dem Ergebnis nicht. Fünf Jahre ließ sie es ruhen, bevor sie es erneut in Angriff nahm – und nun in ihrer ersten Zusammenarbeit mit dem Wiener Orchester auf CD bannte.

Das handwerkliche Können von Grimaud ist in beiden Aufnahmen sofort präsent, die Einspielungen unter der Leitung von Andris Nelsons sind auf dem erwartbar hohen Niveau. Und doch gilt die Eingangswarnung: „Vorsicht, Klassik“. Für Klassik-Einsteiger ist die Doppel-CD schwere Kost, die man nicht mal eben auf dem Weg zur Arbeit hört. Liebhaber dagegen erhalten eine Interpretation der Brahms-Klavierkonzerte 1 und 2, die auch nach mehrmaligem Hören Freude bereitet.

Hélène Grimaud: Brahms Concertos erscheint am 27. September auf dem Label Universal Classic & Jazz/Deutsche Grammophon.

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Über David Schahinian

Freier Journalist aus Frankfurt am Main mit Vorliebe für Musik aus dem Alternative- und Independent-Bereich. Studierte Anglistik und Germanistik und schreibt über alles, worüber es sich zu schreiben lohnt.