Analogue Porn at its best

Patrick Cowley – School Daze

Der Term Analogue Porn hat wohl nie viel besser gepasst als bei dieser Zusammenstellung von Patrick Cowley. Damit bezeichnet man gemeinhin einen eigentümlichen Fetisch zu den wunderbaren Klangräumen alter Synthesizer und Drum Machines. Das diese Leidenschaft auch im digitalen Zeitalter immer noch ausgeprägt ist, zeigt schon die Tatsache, dass zahlreiche computerbasierte Musikprogramme versuchen diese Sounds zu emulieren oder gleich zu samplen.

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Patrick Cowley – School Daze, Cover: Dark Entries

Patrick Cowley – School Daze, Cover: Dark Entries

Doch Porn ist bei „School Daze“ auch deshalb passend, weil sich die Tracks ganz wörtlich aus einem Porno-Universum speisen. Wie bisher kaum bekannt war, komponierte Disco-Übervater Patrick Cowley, der seine wohl populärsten Spuren mit dem 15-minütigen Remix von Donna Summer’s „I Feel Love“ in der Geschichte der Clubmusik hinterlassen hat, für zahlreiche Gay-Pornos aus dem Hause den Soundtrack. Diese Compilation versammelt diese Arbeiten aus den Jahren 1973 bis 1981 nun zum ersten Mal.

Man kann die Tracks experimentell nennen, klar. Doch die Körperlichkeit, die der Mann aus San Francisco aus seinen Maschinen zu einer Zeit herausquetscht, als diese noch von den Gründervätern erforscht wurden, ist dann doch erstaunlich. Das ist hörbare Musikgeschichte, nicht weniger. Eine Bandbreite wird geboten von Prototechno über verrauschten Post Punk bis zu Musique Concrete. Man möchte diese Filme sehen, gerade als Hetero. Was hätte Cowley, der 1982 an AIDS starb, noch alles erreichen können? Auch vor dem Hintergrund der Rolle, die Giorgio Moroder gerade wieder bei seinem leicht eitlen Comeback einnimmt.

Patrick Cowley – School Daze (Dark Entries), VÖ: 21. Oktober 2013

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Über Philipp Demankowski

Philipp ist freiberuflicher Musikjournalist aus Dresden mit Schwerpunkt elektronische Musik. Daneben macht er Radio, legt Vinyl aus Überzeugung auf und ist Mitbetreiber eines Plattenlabels.