Wagner und Israel

Dass das Weltbild Richard Wagners ein antisemitisches war, ist nicht zu leugnen. Man kann darüber diskutieren, ob Wagners Antisemitismus persönliche Gründe hatte, etwa den Ausgleich für Minderwertigkeitsgefühle, wegdiskutieren kann man ihn nicht. Schwieriger wird es bei der Frage, ob auch Wagners Musik antisemitisch ist.

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Richard Wagner, fotografiert in Brüssel, 1860 (Quelle: Wikimedia Commons)

Richard Wagner, fotografiert in Brüssel, 1860 (Quelle: Wikimedia Commons)

Darüber müsste man jedoch lange und detailliert referieren. Tatsache ist, dass er von den Nazis so rezipiert und instrumentalisiert wurde. Insofern kann man durchaus nachvollziehen, dass Wagners Musik in Israel noch immer nicht öffentlich gespielt wird. Es gibt indes immer mehr Menschen wie etwa Daniel Barenboim, die sich fragen, ob diese Haltung sinnvoll ist.

Befürworter Wagners entschuldigen ihn oft mit dem Verweis auf den allgemeinen Antisemitismus seiner Zeit. Doch haben es auch damals nur sehr wenige für nötig gehalten, derart menschenfeindlichen Unsinn zu veröffentlichen, wie Wagner das in seinem Aufsatz „Das Judentum in der Musik“ tat. Ein Beispiel: „Der Jude, der bekanntlich einen Gott ganz für sich hat, fällt uns im gemeinen Leben zunächst durch seine äußere Erscheinung auf, die – mögen wir nun einer europäischen Nationalität angehören, welcher wir wollen, etwas dieser Nationalität unüberwindlich unangenehm Fremdartiges hat: wir wünschen nicht mit einem so aussehenden Menschen etwas gemein zu haben“. Dass man auch ganz anders denken und handeln konnte zeigt zum Beispiel Wagners Zeitgenosse Louis Spohr.

Auch Wagners Kompositionen scheinen durchaus eine andere Sprache zu sprechen, und es fällt schwer, in ihnen eindeutig Antisemitismus nachzuweisen. Die Nazis hielten sich mit einer genauen Prüfung dieser Frage allerdings nicht lange auf und Hitler machte Wagner gar zu einem „Propheten“. Andererseits wurden Wagners Werke noch während der Nazizeit vom Vorläufer des heutigen Israel Philharmonic Orchestra in Tel Aviv gespielt.

Dennoch ist es angesichts der Geschichte verständlich, dass Aufführungen von Wagners Musik in Israel tabuisiert wurden. Dies hält bis heute an. Noch 2010 löste das Israel Chamber Orchestra in seiner Heimat eine heftige Debatte aus, weil es in Bayreuth das Siegfried-Idyll gespielt hatte. Ob die Tabuisierung der Musik Wagners sinnvoll ist, wird in Israel selbst kontrovers diskutiert. Daniel Barenboim zum Beispiel steht auf folgendem Standpunkt: „Wenn man das Wagner-Tabu bis heute in Israel aufrechterhält, bedeutet es, Hitler in gewisser Hinsicht Recht zu geben, dass Wagner ein Prophet und Vorgänger des nationalsozialistischen Antisemitismus war, dass er, wenn auch nur auf indirekte Weise, für die Endlösung verantwortlich gemacht werden kann“ (http://www.danielbarenboim.com/journal/wagner-israel-und-die-palestinenser.html).

Barenboim bezieht sich dabei unter anderem auf Ernst Bloch, den er mit den Worten zitiert: „Die Musik der Nazis ist nicht das Vorspiel zu den Meistersingern, sondern das Horst-Wessel-Lied; andere Ehre haben sie nicht, andere kann und soll ihnen nicht gegeben werden.“

Die Position der anderen Seite hat die britische Band Chumbawamba in ihrem Song „Wagner at the opera“ auf emotional ergreifende Weise sehr anschaulich und deutlich werden lassen. In dieser Frage scheint derzeit also nur eines sicher und ausgemacht: dass sie die musikalische Welt Israels noch eine Weile beschäftigen wird.

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