Wunderschöner Abschluss

Tag 4: Reeperbahn Festival

Vier Tage lang komplettes Kunst-, Kultur- und Musikprogramm – da könnte man meinen, so langsam schleicht sich die Müdigkeit in die Knochen der Reeperbahn Festival-Besucher, aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Samstag zum Abschluss auch noch hoch gehandelte Acts wie Birdy, Fanfarlo, Sea + Air oder Coasts auf dem Programm hat.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Folk aus London: To Kill A King. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Folk aus London: To Kill A King.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

To Kill A King
„Die neuen Mumford and Sons“ – von einer solchen Aussage können andere Bands nur träumen, To Kill A King scheinen sich davon verabschieden zu wollen. Mit dem Song „Fictional State“, einer klassischen Folk-Rock-Nummer, starten To Kill A King ihre Performance im Terrace Hill. Von nun an wechseln sich melancholische Lieder und schnelle Stücke ab und das Zusammenspiel von Gitarren, Schlagzeug, Sythesizern und Sänger Pelleymounters verträumt-rauchiger Stimme kommt bei den Hörern äußerst gut an. An Mumford and Sons erinnert dies aber nur entfernt – viel mehr zeigen die Fünf, wie ambitioniert, tiefgründig und unaufdringlich Indie-Folk klingen kann. In der zweiten Hälfte des Konzerts beweisen To Kill A King Spielfreude und hauen Tanzbares raus.

Mit „Choices“, einer ruhigen, gitarrrenlastigen Nummer, verabschiedet sich das Londoner Quintett – doch nicht so mit dem Hamburger Publikum. Nach lauter, anhaltender Zugabe-Forderung kommen die Feingeister des Folk-Rocks schließlich ganz festivalunüblich erneut auf die Bühne, um eine ausdrucksstarke Akustik-Nummer zu performen. Ein sehr intensiver Abschluss!

 

Ein Traum von Indie-Pop: Lilly Wood & The Prick. Fotoautor: Mark Maggiori.

Ein Traum von Indie-Pop: Lilly Wood & The Prick.
Fotoautor: Mark Maggiori.

Lilly Wood & The Prick

Indie-Pop sollte im besten Falle doch so funktionieren: Das althergebrachte Rezept aus Gitarre, Bass und Schlagzeug wird noch um Keyboards erweitert und glänzt mit einer hübschen Frontfrau, die singen kann. Eine Paradebeispiel für diese verspielte Form der Musik sind da Lilly Wood & The Prick. „Any Germans here?“, fragt Nili Hadida zu Beginn und ganz unberechtigt ist diese Frage nicht, denn ein Großteil des Publikums im Imperial Theater kommt aus Frankreich, um den Landsleuten Unterstützung zu zollen.

„Where I want to be (California)“ heißt der erste Song, ein wunderschönes, mehrstimmiges Stück. „Let’s Not Pretend“ hat etwas Funkiges und somit zur Folge, dass erste Zuschauer sich von ihren Sesseln erheben, um die schmale „Tanzfläche“ an der Seite des Raums zu nutzen. Spätestens bei „Hey It’s OK“ und „Down The Drain“ hat das Tanzfieber den gesamten Saal gepackt. In der Zugabe geht es mit „Little Johnny“ noch mal melancholisch zu, hinsetzen mag sich aber niemand mehr.

Mit 17 Jahren ein Star: Birdy. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Mit 17 Jahren ein Star: Birdy.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Birdy

Voll ist es nicht im Docks, eher hoffnungslos überfüllt. Über 1000 Zuschauer sind gekommen, um den Wunderkind aus dem Süden Englands zu lauschen. Das Pop-Märchen schreibt sich so: Den größten britischen Talentwettbewerb „Open Mic“ gewinnt Jasmin van den Bogaerde mit links, darf dann professionell im Studio aufnehmen und landet ein paar Jahre später mit dem Bon Iver-Cover „Skinny Love“ ganz weit oben in den Charts. Vor zwei Tagen erst ist ihr neues Album „Fire Within“ auf den Markt gekommen, das diesmal keine Cover-Versionen, sondern eigene Stücke enthält. Los geht es aber mit „People Help the People“ von Cherry Ghost, ehe Birdy auch neue Songs live probiert. Die meiste Zeit sitzt die zierliche, gerade mal 17 Jahre alte Person an ihrem Flügel und verzaubert mit einer engelsgleichen Stimme. Ganz anders da ihre Band, die ein ums andere Mal mit den Instrumenten über die Bühne wirbelt. Nachdem sich Birdy mit „Terrible Love“ und „Skinny Love“ bereits verabschiedet hatte, kommt sie für eine Zugabe zurück auf die Bühne. Bei „Light Me Up“ holt sie noch mal alles raus aus ihrer Stimme, während ihre Begleitmusiker dafür sorgen, dass sich die Menge noch mal wachtanzt.

Es ist nach ein Uhr, als sich die Location langsam leert und sich gleichzeitig ein wunderschönes Festival dem Ende nähert. Wie immer ist das größte Manko des Festivals die oftmals der Anzahl an interessierten Besuchern nicht gerecht werdende Kapazität einzelner Clubs. Das ist ärgerlich – aber dank des bunten Programms findet sich immer eine vielversprechende Alternative und lässt einen darüber hinweg sehen. Und einen besseren Abschluss der Festival-Saison als das Reeperbahn Festival kann es sowieso nicht geben.

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!