Kein Platz für Musik?

Hamburger Molotow vor dem Aus

Der über Deutschlands Grenzen hinweg bekannte Musikklub musste schon mehrfach um sein Fortbestehen bangen. Nun soll es allerdings endgültig vorbei sein. Zum 30. Juni nächsten Jahres wurde der Mietvertrag des Gebäudekomplexes, in dem sich auch der Kellerklub befindet, gekündigt. Ob das Molotow zum Sommer einen neuen Standort finden wird, bleibt vorerst offen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

 (Foto: Jannis Andrija Schnitzer)

Dem Musikklub droht das Ende
(Foto: Jannis Andrija Schnitzer)

Es gibt wenige Schuppen, in denen man das Gefühl hat, hier werde Musikgeschichte geschrieben. Klubs, in denen noch Rock ’n‘ Roll-Atmosphäre herrscht, in denen ein familiäres Gemeinschaftsgefühl entsteht und man sich deshalb sofort zu Hause fühlt. So ist das im Molotow.

Jetzt sollen die sogenannten Esso-Gebäude, darunter auch das Molotow, weil sie marode sind, einem Neubau weichen. Der Investor, die Bayerische Hausbau, plant einen neuen Gebäudekomplex mit Wohnungen und Büros. Dass sich der Klub danach die Miete nicht mehr leisten kann, ist wahrscheinlich.

Bereits 2008 hatten Kulturgemeinde, Musikfreunde und Sympathisanten, nach Einführung des Rauchverbots, einspringen müssen, um eine drohende Schließung des Klubs abzuwenden.

Seit 1990 gibt es den beliebten Laden auf der Reeperbahn mittlerweile. Nicht nur Indie-Begeisterte und Elektro-Tänzer zog es ins Molotow, sondern auch Punks, Poeten und Rockfans. Größen wie die White Stripes, The Hives, LCD Soundsystem, Peaches, oder The Killers sind hier in den dunklen Kellergewölben oder in der Bar aufgetreten. Viele von ihnen galten bei ihren Auftritten damals noch als Geheimtipp.

Konzert von Vampire Weekend im Molotow (Quelle: Wikipedia)

Vampire Weekend im Molotow
(Quelle: Wikipedia)

Nicht ohne Grund wurde die Einrichtung auf der Meile bereits von der Hamburger Kulturbehörde ausgezeichnet. Das Molotow hat immer auch die Musikkultur mitgeprägt, Trends erkannt und zählte seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Musikklubs des Landes.

Gerade jetzt am Wochenende auf dem Reeperbahn Festival, konnte das Molotow mit einem tollen Programm überzeugen. Dass Menschen am letzten Samstag mit Transparenten beschriftet mit den Worten ‚Das Molotow muss bleiben!‘ auf der Straße für das Fortbestehen des Klubs demonstrierten, macht deutlich, wie wichtig diese Institution für gute Musik in der Hansestadt ist. Und vor allem, wie traurig ein solcher Verlust für die Musikszene wäre.

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Über Emilia Gallas

Musikliebhaberin, Literaturwissenschaftlerin, freiberufliche Journalistin und Musikredakteurin aus Bremen. Elektronische Sounds sind ihr willkommen, alle anderen aber auch.