Understanding Techno V

Die Sprache der Dinge

Im Gegensatz zur Moderne, die sich einem bürgerlichen Innovationszwang verschreibt, setzt die Postmoderne auf Zitat und Wiederholung. In der Musik findet das Zitat seine Entsprechung im Sampling. Neue Rekordertechnik, die für einen geringen Betrag endlich erschwinglich geworden war, erlaubte es Text und Klang zu rekontextualisieren. Besonderes Augenmerk verdienen dabei die Field Recordings, die die beiläufigen Klänge einer bestimmten Umgebung erst aufzeichnen, dann slicen und cutten und zu einem musikalischen Ganzen verbinden.

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Akai S1000

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Vorallem die Musique Concrete, der Extremfall des Field Recordings, kann als ein Zitat der Stimme eines Raumes verstanden werden. Mithilfe der Rekontextualisierung als Musik oder Klanginstallation wird unbelebten Dingen das Sprechen erlaubt. Das prominenteste Beispiel ist dabei wohl die Schreibmaschine, zu hören in Nicolas Berniers berühmter Aufnahme Writing Machine, sowie in der Filmmusik des sowjetischen Avantgarde-Films Tausendschönchen.

Alles spricht, alles kann zitiert werden. In der Welt des Warenfetischs sind die Dinge selbst Träger von Glauben und Stimme. Die Geräuschwelt ist damit ein Universum vorschriftlicher Sprache und auf ein rein symbolisches Quantum reduziert. Das Geräusch einer Schreibmaschine z.B. evoziert eine ganze Reihe von Assoziationen, vom Schriftstellerideal bis zum geheimen Text, der das Ergebnis des Klangs ist.

Genauso wie man einen menschlichen Text zerschneiden, neu ordnen und seiner usprünglichen Semantik berauben kann, ist dies mit Klangsprache möglich. Einen Tastensound kann man mit einem Sequenzer als Kickdrum oder HiHat verwenden, das Rattern einer Rolltreppe kann ebenso als rhythmische Grundlage dienen. Sampling bedeutet dabei auch eine Entwendung der Sprache der Dinge, man lässt die Dinge gewissermaßen Ungewolltes sagen ohne dass sie ihre assoziative Kraft verlieren.

Die komplette Reihe „Understanding Techno“

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Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.