Wenn Platinen schwitzen

The Bloody Beetroots: „Hide“

Was haben Oberbeatle Paul McCartney, Rock-Gitarrist Peter Frampton, Mötley-Crüe-Mitbegründer Tommy Lee, Rap-Shootingstar Theophilius London und Soul-/Funkmusiker Sam Sparro gemeinsam? Sie alle sind bei The Bloody Beetroots als Gastsänger auf dem neuen Album „Hide“ vereint. Das passt nicht zusammen? Denkt ihr! Das passt sehr wohl zusammen. Und wie! Denn Sir Bob Cornelius Rifo, der Mann hinter The Bloody Beetroots, schafft es tatsächlich, alle unter einen Hut zu bringen und mit viel Elektronik zu bepacken. Das Ergebnis: ein fiebriger Sound zwischen Rave, Rock, Soul und Electro-Pop.

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Geht nicht, gibt's nicht: "Hide" von The Bloody Beetroots (Quelle: Ultra Music)

Geht nicht, gibt’s nicht: „Hide“ von The Bloody Beetroots
(Quelle: Ultra Music)

Das ganze erinnert an eine verschärfte Version von Daft Punk, Justice und ähnlichen Projekten aus der franzuösischen Electro-House-Szene. Zweifelsohne haben den Italiener Rifo die musikalischen Strömungen des Nachbarlandes beeinflusst. Allerdings ist sein Sound um so vieles spontaner und durchgeknallter. Genregrenzen sind für den Musiker nur dazu da, um gesprengt zu werden.

Na klar, warum nicht auch mal einen McCartney in einen bombastisches Electro-Gewand stecken? Anscheinend hat das den honorigen Beatle künstlerisch befeuert, denn so rau wie in „Out Of Sight“ hat man ihn selten
ins Mikro schreien hören.

Rifo holt aus seinen Kollaborateuren ungeahnte Qualitäten heraus. Im Gegensatz zum Produzenten-Star David Guetta, der sich auch immer an die gesanglichen Fähigkeiten seiner Gastsänger orientiert, will Bob Rifo seine Stars aus ihrer Reserve locken, um so ungeahnte Leistungen aus ihnen herauszukitzeln.

Auch Sam Sparro hat sich von Rifos Musikleidenschaft anstecken lassen. Für den Song „Glow In The Dark“, einer Verbeugung vor dem energiegeladenen Eighties-Soul, legte er sein ganzes Können in die Waagschale, sodass er fast schon an den Soulmaster Prince himself erinnert.

Endgültig den Vogel abgeschossen hat The Bloody Beetroots aber mit dem Song „Volevo Un Gatto Nero (You Promised Me)“. Ein auf den Musiker gemünztes Kinderlied verwandelt sich in einen fies vor sich hinfiependen Dubstep-Track, ehe Gitarren und Streicher sich dazu gesellen.

„Hide“ ist eine musikalische Kriegserklärung: Amok laufende Sequenzer, schwitzende Platinen und Beats, die wir Guerillakriger aus den Lautsprechern hervorpreschen. Das ist alles sehr verrückt – und herrlich unkonventionell.

VÖ: 4.10.2013 (Ultra Music/Sony)

Appetit kann man sich hier holen: The Bloody Beetroots feat. Paul McCartney & Youth: „Out Of Sight“.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!