Kinostart 3.10.2013

Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

Er war der schillerndste Paradiesvogel des amerikanischen Showbiz: Liberace. Eine Type, die Zeit seines Lebens einen extravaganten Lifestyle bevorzugte, seinen Reichtum mehr als offensiv zur Schau stellte, sich aber nie zu seiner (aus heutiger Sicht offensichtlichen) Homosexualität bekennen wollte oder konnte. Nun hat sich Steven Soderbergh dem Phänomen Wladzio Valentino Liberace filmisch angenähert. Und mit Michael Douglas in der Hauptrolle sowie Matt Damon als Ziehsohn und Lebensgefährte zwei Besetzungscoups gelandet. 

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Liberace - wundervoll (Filmladen Filmverleih)

Liberace – wundervoll (Filmladen Filmverleih)

Trotz Soderbergh (der für Regie und Kamera verantwortlich zeichnet), dem Staraufgebot und der opulenten Ausstattung fand „Liberace – Behind the Candelabra“ (so der Originaltitel) in den USA keinen Verleih – und wurde ins TV abgeschoben (immerhin erhielt er dort den Preis des Verbandes der Fernsehkritik und den TCA Award).

Es ist bezeichnend, dass die Mainstream-Homophobie in den Staaten nach wie vor die Macht besitzt, einem breiten Publikum homosexuelle Lebensgemeinschaften nicht zuzumuten. Bezeichnend, da jene Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit vermutlich auch Liberace († 1987) selbst zum Anlass nahm, sogar vor Gericht und unter Eid zu schwören, dass er nicht homosexuell sei.

Liberace galt als Wunderkind, spielte als Sechsjähriger klassische Pianostücke ohne Partitur und galt später als schnellster Pianist der Welt. Dann „verpoppte“ er, arbeitete u.a. mit Nina Simone. Und dann folgte er dem Ruf nach Las Vegas, wo er zum Superstar avancierte – und einem entsprechenden Lebenswandel frönte. Er führte ein Leben in Saus und Braus, legendär sind seine Villen, seine Autos, seine Siegelringe und Chinchilla-Pelzmäntel.

Michael Douglas als Liberace (Filmladen Filmverleih)

Michael Douglas als Liberace (Filmladen Filmverleih)

Soderberghs Film kann nicht als Biopic bezeichnet werden, da er die spekulative Geschichte der Beziehung zwischen dem reifen Pfau und seinem jugendlichen Lover erzählt.

Michael Douglas (mit grotesk geglätteten Gesichtszügen) widersteht der Versuchung, seine Rolle zu überreizen. Das Schrille bleibt den Dekors und den Kostümen vorbehalten, der Film entfaltet sich moderat und dialoglastig.

Matt Damon (Filmladen Filmverleih)

Matt Damon (Filmladen Filmverleih)

Matt Damon vollzieht seine Assimilation bzw. Adoption (vom Hundetrainer zum Multimillionärsgefährten) mit einer Natürlichkeit, die angesichts von Story und Setting verblüfft. Als Scott Thorson stellt er erneut unter Beweis, dass er zu den wandelbarsten Schauspielern der A-Liga gehört. Scott Bakula („Desperate Housewives“, „Two and a Half Men“), Dan Akroyd und Rob Lowe runden das fantastische Ensemble ab.

Wer also Liberace bislang nur dem Namen nach (oder nur als groteske Stil-Ikone) kannte, der sei dennoch gut beraten, diesem Highlight des Kinojahres die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Alle Freunde des Glamours à la Vegas dürften indes den Kinostart kaum erwarten können.

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