Mit Mathias Nygard in Hamburg

Sechs Wickinger, aber nur eine Dusche – Interview mit TURISAS

Wenn alles, was Kriegsherr und Wickinger ist, sich zur HEIDENFEST-Tour durch Europa zusammenfindet, dürfen die rot angepinselten Finnen von TURISAS natürlich nicht fehlen. Als melodischster Act und Co-Headliner des Abends in Hamburg durften wir Sänger Mathias „Warlord“ Nygard in unserem ausgeworfenen Fischersnetz abfangen und unter anderem erfahren, was eigentlich der Traumberuf des Metal-Chefs gewesen wäre – und wie lange es dauert, bis nach der Show die Kriegsbemalung aus den Visagen gekratzt ist.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Bunt angepinselt: Mathias alias Warlord live mit Turisas (Foto: Anne Swallow)

Bunt angepinselt: Mathias alias Warlord live mit Turisas (Foto: Anne Swallow)

Anne: Hi Mathias und ich hoffe, du hast mehr Schlaf gefunden, als dein Tourmanager letzte Nacht…

Mathias: Ich kann immer schlafen! (grinst)

Bei eurem letzten Album Turisas2013 hat sich ja einiges in der Banddynamik geändert und nun schreibst nicht mehr nur du allein die Songs. Wie kam es dazu und war es eine große Überwindung für dich, das „Monopol“ für diesen wichtigen Prozess zu teilen?

Ich habe nie tyrannisch den Platz den Songwriters verteidigt, eigentlich wollte ich den Prozess immer für alle zugänglich halten, bis zu dem letzten Album hat das nur nie wirklich jemand wahrgenommen. „Turisas2013“ hingegen sollte von Anfang an ein Gruppenprojekt sein, wir jonglierten mit allen möglichen Ideen und heizten uns gegenseitig damit an. Beispielsweise hatte Jussi [Wickström; Gitarrist] zu einem Punkt eine großartige Idee und inspirierte mich so sehr, dass ich plötzlich tausend neue Gedanken hatte, auf die ich ohne den Input wohl nicht gekommen wäre.

…und das löste keine riesige Welle an Diskussionen bei euch im Bandcamp aus?

Nein nein, die „Verwaltung“ übernehme nach wie vor ich. Also läuft es eher so, dass jeder mir seine Ideen abliefert und ich sie letztendlich alle zu einem Konstrukt zusammensetze, aus dem die Songs und das Album entstehen.

Lass uns mal über eure großartigen Kostüme und die Bühnenerscheinung von euch sprechen – konzipiert und näht ihr die Klamotten alle selbst? Und wie lange braucht ihr vor der Show, um euch zu den roten Kriegern aufzustylen, die Turisas ausmachen?

Ganz zu Anfang unserer Karriere bauten wir die Kostüme selbst zusammen, aber bald stellte sich heraus, dass wir… nun ja… bessere Musiker als Handwerker und Designer waren, deswegen besorgten wir uns recht schnell Professionelle für diesen Job. Leider sind die aber nicht mit uns auf Tour, sodass Erste Hilfe in Sachen Kostümen von uns selbst gemacht werden muss und leider passiert es doch öfter, dass uns auf der Bühne etwas kaputtgeht oder abfällt. Erst nach der Tour können wir dann wieder eine Generalüberholung in Finnland machen lassen und für uns selbst noch einmal überlegen, was von dem Schnickschnack gut ist und was wir eher weglassen sollten.
Uns ins Schale schmeißen tun wir meist eine Stunde vor dem Konzert – aber nach der Show benötigen wir länger, da jeder erst mal duschen muss…

…und es nur eine Dusche in der Halle gibt?

Haargenau.

Wie weit geht eigentlich deine ernsthafte Faszination für Krieger und Wickinger? Identifiziert ihr euch tatsächlich sehr mit den Hau-Draufs von damals oder kam euch der Stil eher musikalisch gelegen?

Letzteres, ich wäre niemals ein guter Wickinger geworden, oh Gott! Aber ich glaube das wären die wenigsten Musiker aus der Szene, dieser Stil romantisiert diese Ära ja unglaublich und man sieht nur die Helden und den glorreichen Krieg, während wir alle in Wirklichkeit wohl niemals in einer Zeit hätten leben können, wo man noch selbst auf dem Acker schuften oder sein eigenes Futter jagen musste und am Ende von der Pest niedergerafft wurde. Ich versuche oft, das Thema in meinen Texten auf historische Weise anzugehen, aber bei den meisten Bands ist es eher eine Fantasy-Herangehensweise.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.