Aus der Lutherkirche Erfurt am Tag der deutschen Einheit

Gospelrock feiert das 20jährige Jubiläum

In der akustikstarken Erfurter Lutherkirche gab es am Feiertag um 17 Uhr bei großer Besucherzahl ein Gospelkonzert, das zum Mitmachen animierte. Neben dem rhetorisch gewitzten Dirigenten Oliver Debus, dem Chor und der dazugehörigen vierköpfigen Instrumentalcombo mit Solopartien war der Gospelpop-Chor Heaven’s Garden aus Erfurt mit von der Partie. Das zwei Stunden lange Programm bot eine bunte, aber anspruchsvolle und charakteristische Auswahl aus den Sparten des afroamerikanischen Gospel und seinen Varianten sowie aus der südafrikanischen Folklore.

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Oliver Debus, Dirigent, Arrangeur, Jazzsänger /Augustinerkloster Erfurt)

Oliver Debus, Dirigent, Arrangeur, Jazzsänger /Augustinerkloster Erfurt)

Den musikalischen Höhepunkt des Abends stellte zweifellos Oliver Debus‘ Leadgesang zu dem südafrikanischen Volkslied Sphamandla Nkosi, zu deutsch etwa: „Herr gib uns deine Kraft“, dar. Debus hat „seinen Chor“ 1993 unter damals anderem Namen in seinem Heimatort Steinach im Thüringer Wald gegründet und leitet ihn bis heute. Er studierte von 1994 bis 1999 Jazzgesang an der Weimarer Musikhochschule und ist als Jazzsänger in ganz Deutschland auf Tour; vor allem aber widmet er sich den Kompositionen und Arrangements für seine eigene Formation Gospelrock.

Die Zuhörer waren von Anfang an zum Mitmachen aufgefordert: Vor allem der Song „Lift him up“ forderte zur Publikumsgymnastik heraus, zum Klatschen, Stampfen und kreisförmigen Clap über dem Kopf.  Teilweise ging es auch zu den Wurzeln des Gospel zurück, zum Beispiel mit dem Arbeitslied der Sklaven „Trying to get home“. Um Selbstbesinnung jenseits der Schulpsychologie ging es mit „Standing in the need of prayer“. Brillante, expressive Dynamik entwickelte der Chor mit „Jesus had a wonderful child“. Als weiteres Highlight des Abends kann „Will you be there“ von Michael Jackson genannt werden, das auch den Gästen, die mehr an die klassische Kirchenmusik gewöhnt sind, aus den Evergreen-Charts vertraut sein musste. Eher poppig als an usprünglichen Gospel erinnernd gab sich Debus‘ Arrangement von „Ain’t no mountain high enough“.

Die Breite des Kirchenquerschiffs und seine Höhe sorgen für eine ausgeglichenene Raumakustik mit Ausnahme der Plätze unter der ersten Empore, die einen etwas halligen und undifferenzierten Eindruck von den Chorstimmen vermittelten. Und auch optisch vermittelte die Gruppe ein stimmiges Gesamtbild bei blau und rot illuminiertem Altarraum. Um welches Stück es sich jeweils handelte, erfuhr man von einer Infoscreen rechts unterhalb der Bühne. Im Chor dominierten wie so häufig zahlenmäßig die Frauenstimmen, doch auch die männlichen Solisten waren gleichermaßen bei sehr guter Stimme wie zwei Stücke zeigten. Nahezu jedes der an die zwanzig Stücke des Abends wurde von einer solistischen Leadstimme geführt, bemerkenswert vor allem die Stimmkraft von Eva Wuttke. Auch die überzeugenden musikalischen Leistungen des Co-Dirigenten Tim Matschkowski sollten hier ebenso wie die des Gitarristen Daniel Trommer und des Saxophonisten Andreas Köhn hervorgehoben werden.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.