Neue Bachbiografie

War Johann Sebastian Bach ein brutaler Schläger?

Johann Sebastian Bach gehört zu den größten Komponisten aller Zeiten. Aber viele Biografen des letzten Jahrhunderts, ließen uns im Glauben, dass nur ein nahezu Heiliger solch himmlische Musik schaffen kann. Dass dem offenbar nicht so war schreibt John Eliot Gardiner, Dirigent, Chorleiter und Bach-Interpret, in seiner neuen Bach-Biografie, die gestern in Großbritannien erschien.

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Johann Sebastian Bach Quelle: http://commons.wikimedia.org/

Johann Sebastian Bach
Quelle: http://commons.wikimedia.org/

Nach Jahren der Recherche kam der Autor zum Schluss, dass Bach in einem Klima von Gewalt aufgewachsen war. So herrschten an den Schulen zur Zeit als Bach dort Schüler war Sadismus und Sodomie sowie ständige Bandenkriege. Die Schüler schlugen Fenster ein und bedrohten andere mit ihren Dolchen.

Auch die Lehrer selber waren, laut seinen Recherchen nicht viel gesitteter im Umgang. So war der Schulmeister in Bachs erster Schule in Eisenach bekannt für seine sadistischen Strafen. Laut Gardiner pflegte dabei Bach mit diesem „Lehrer“ ein ungewöhnlich inniges Verhältnis. Viele Eltern ließen daher aus Angst ihre Kinder nicht mehr in die Schule. Auch Bach selbst war in den ersten drei Jahren 258 Schultage abwesend, was die früheren Biografen mit der Krankheit der Mutter als auch mit seiner Arbeit im Familienbetrieb erklärten. Dass diese Erfahrungen tiefe Furchen in der Seele des Bachs hinterließen scheint unbestritten.

Was Gardiner nicht versteht ist, dass diese Umstände bis dato von den Biografen einfach ignoriert wurden, obwohl bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, Quellenmaterial hinsichtlich dieser Gewalt gefunden wurde. Mit 15 Jahren war Bach in mehrere Straßenschlägereien verwickelt und hatte ein paar Jahre später gegen einen „unfähigen“ Fagottisten seinen Degen gezogen, schrieb die Zeitung „Independent“.

Obwohl der Einfluss den diese gewaltbereite Umgebung auf Bach ausgelöst hat spekulativ bleibt, so ist ein tieferer Einblick in die Welt des jungen Bachs sehr bedeutend, nicht zuletzt deswegen weil wir von Bach und sein privates Leben weniger wissen als von all den anderen wichtigen Komponisten der letzten 400 Jahre.

So meint Gardiner: „Wir lechzen danach zu erfahren wer hinter dieser Person steckt, die fähig war, solch komplexe Musik zu erschaffen, die uns so verblüfft und dann wieder so unwiderstehlich rhythmisch ist, dass wir am liebsten aufstehen wollen und tanzen und dann wieder so ergreifend, dass es unser tiefstes Inneres berührt.“

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