Interview

Erdmöbel: „Wir wollen immer so gut wie nie zuvor spielen“

Im lauschigen Backstage-Bereich des Kölner Gloria warten Erdmöbel sichtlich gelassen den Soundcheck zu ihrer Live-Präsentation des neuen Albums „Kung Fu Fighting“ ab – die Gelegenheit, anhand einiger locker eingestreuter Fragen das Logbuch für die kommende Deutschlandtour zu inspizieren … und eine Handvoll Einsichten ins Werden und Wirken dieser Ausnahmeband zu erlangen. Im Interview mit amusio geben sich Markus Berges, Sänger und Songschreiber, sowie Ekimas, Arrangeur und Produzent, gleichermaßen selbstbewusst und gelassen. Sie wissen, dass ihnen mit „Kung Fu Fighting“ ein weiteres Meisterwerk gelungen ist. Und dass ihre Tour dem Album gebührend Rechnung tragen wird.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Ekimas und Markus im Gespräch (Stephan Wolf)

Ekimas und Markus im Gespräch (Stephan Wolf)

amusio: „Gestern habt ihr euch in Bremen warmgespielt. Seid ihr bereit für euer Kölner Heimspiel?“

Ekimas: „Ja, Bremen war gut. Aber fast noch besser war unsere Session für das Berliner Lido Radio am Abend zuvor. Die haben eine Reichweite von weit über 30.000 Hörern, ganz toll! Da konnten wir uns sozusagen vor ganz großem Publikum warmspielen, das war eine feine Sache.“

amusio: „Und nun steht das Set und ihr könnt es fortan jeden Abend reproduzieren. Oder würde ein Fan, der euch hinterher reist, jeden Abend eine andere Show erleben?“

Markus Berges: „Wir haben eine Menge einstudiert und aus diesem Fundus können wir schöpfen. Voneinander abweichende Zugaben spielen zum Beispiel. Je nach Lust oder Bedarf. Wir werden auf jeden Fall unser neues Album komplett darbieten. Aber die Leute verlangen natürlich auch nach unseren ‚Hits‘ – und die haben wir natürlich auch bestens präpariert im Gepäck.“

Ekimas: „Wir wollen einfach immer so gut wie nie zuvor spielen. Doch manchmal gibt es halt nur ein sehr gutes Konzert, alles darüber hinaus ist abhängig von der Tagesform.“

Markus Berges: „Wir könnten mit dem, was wir in petto haben, locker so ein Drei-Stunden-Konzert wie Springsteen hinlegen.“

amusio: „Aber nach einer Stunde ist Schluss …“.

Ekimas: „Um Gottes Willen, wenn wir schon nach einer Stunde aufhören würden, bekämen wir mächtig Ärger mit unserem Soundmixer …“.

Erdmöbel im Gloria (Stephan Wolf)

Erdmöbel im Gloria (Stephan Wolf)

amusio: „Kommen wir auf euer neues Album zu sprechen. Stimmt die pflichtgemäße Lobhudelei des arrivierten Feuilletons nicht etwas misstrauisch?“

Ekimas: „Ich verstehe, dass viele Musikredakteure sich bemühter Floskeln bedienen müssen, um ihrer wohlwollenden Kritik Gehör zu verleihen. Doch die bisherigen Reaktionen zu ‚Kung Fu Fighting‘ fallen deutlich persönlicher aus als noch zum Vorgänger ‚Krokus‘. Das kann ich nur begrüßen, das war bei den Beatles ganz ähnlich …“.

amusio: „Eurer Pressemitteilung zu ‚Kung Fu Fighting‘ war zu entnehmen, dass es sich um eine schwere Geburt gehandelt hat …“.

Ekimas: „Als die Pressemitteilung verfasst wurde, lag der Arbeitsprozess gerade hinter uns. Wir waren noch entsprechend angespannt. Denn für einen Musiker sind Aufnahmen harte Arbeit, samt all jener Zweifel, Leeren, Suchen, die jeder kennt, der kreativ arbeitet und seine Arbeit ernst nimmt. Wir haben uns gequält. Dass wir jetzt darauf rumreiten müssen, sind wir selber schuld, es stand halt in der Pressemitteilung. Nun sind wir erleichtert, dass es gutgegangen ist. Wir empfinden das Ergebnis als absolut erfreulich. Es ist ein toller Trip, wenn wir es hören. Und die Probleme, die uns beschäftigten, um dieses uns selbst begeisternde Ergebnis zu erzielen, beschäftigen uns weiter nicht.“

Locker und selbstbewusst: Erdmöbel (Stephan Wolf)

Locker und selbstbewusst: Erdmöbel (Stephan Wolf)

amusio: „Um noch kurz auf das Thema des assoziativen Textens zu kommen: Ist die Nachvollziehbarkeit eurer Texte nicht bis zu einem gewissen Grad abhängig vom Alter und des persönlichen Backgrounds des Hörers?“

Ekimas: „Nun, wenn man einen Text hört, und dann noch mit Musik, da wird im Hörer zwangsläufig ein Film losgetreten. Unabhängig von Alter oder Biographie. Meine sechsjährige Tochter hört unseren Texten zu und entwickelt, auch wenn sie die Texte kognitiv noch nicht verorten kann, ihre eigenen Geschichten dazu.“

Markus Berges: „Sicher sind wir keine Band, die sich Teenager anhören. Wir sind eine Band, die vorwiegend von einem Publikum in unserem Alter rezipiert wird. Doch wenn wir mit siebzig noch auf der Bühne stehen, so glaube ich nicht, dass uns nur Siebzigjährige verstehen oder nachvollziehen können.“

Nun, im prallvollen Gloria wurden auch einige Teenies gesichtet. Und etliche Zuhörer, die ihre Rente schon längst durch haben dürften. Am Abend einte Band und Auditorium dann die Begeisterung: So herzergreifend schöne Musik geschaffen zu haben oder sie live erleben zu dürfen – bei Erdmöbel macht das kaum einen Unterschied! We are family! Wie sehen uns im Zollstockbad. Und alles Gute für die Tour!!!

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