Der Mittelalter-Abgesang

In Extremo – „Kunstraub“

Gut zweieinhalb Jahre sind seit ihrer letzten Veröffentlichung „Sterneneisen“ verstrichen, mit ihrer aktuellen Scheibe „Kunstraub“ versuchen sich In Extremo nun auf einer frischen Leinwand und verlassen endgültig den altbespannten Rahmen. Anders als mancher Fans vielleicht erwartet oder gar erhofft hätte, festigen die sieben Spielmänner mit ihrem nunmehr elften Studioalbum ihren Ruf  als schlagkräftige Rockerzunft.

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In Extremo "Kunstraub" Cover Artwork

„Kunstraub“ zumindest für In Extremo ein Kavaliersdelikt.
(Quelle: Vertigo Berlin / Universal)

Seit einer gefühlten Ewigkeit verlässt die Qualitätsschmiede In Extremo nicht ein Werk, das dem Typus ‚Gassenhauser‘ nicht gerecht geworden wäre, mit „Kunstraub“ (VÖ: 27.09.2013) liefern die Berliner nun den nächsten heißen Anwärter auf die Player-Dauerrotation.

Manch eingeschworenen Mittelalterrocker dürfte beim ersten Hören der Met zwar im Halse stecken bleiben und sich das neue InEx-Werk als gut getarnte Fälschung entpuppen, denn die feschen Spielmänner kehren ihrem Dasein als ödes Mittelalter-Gespann mit ihrer aktuellen Veröffentlichung endgültig den Rücken.

Rückschritt ist eben noch immer kein Fortschritt und so gehen In Extremo den auf „Sterneneisen“ eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Die gängigen Mittelalterrock-Klischees lassen die Herren komplett außen vor, brechen gar mit alten Traditionen und ihr Wunsch nach Veränderung ist kaum noch zu überhören. Weder Zaubersprüche, alte Sprachen, noch dominant mittelalterliche Melodien sind auf „Kunstraub“ zu vernehmen, stattdessen hüllen In Extremo ihre zwölf, allesamt deutschsprachigen Songs in zeitgemäßen Reibeisen-Rock mit metallisch klingender Schlagseite.

Rockige Gitarren drängen in den Vordergrund, die Doublebass wummert und Sänger Michael ‚Das Letzte Einhorn‘ Rhein röhrt die teils mystisch angehauchten Texte. Dennoch verlieren In Extremo ihre Wurzeln und Trademarks nie ganz außer Acht und behalten ihre Instrumentierung bei. Der zurückgeschraubte, mittelalterliche Anteil fügt sich dabei perfekt in Songs wie ‚Der die Sonne schlafen schickt‘, ‚Wege ohne Namen‘, ‚Gaukler‘, ‚Kunstraub‘ oder ‚Belladonna‘. Der Siebener mutiert so von der Mittelalterrock-Truppe zu waschechten Rockern mit mittelalterlichen Instrumenten.

„Kunstraub“ zeigt In Extremo in Bestform. Große Refrains, facettenreiche Arrangements, überzeugende Lyrics, klassische laut-leise Dynamik und pathetische Hymnen wie ‚Himmel & Hölle‘, ‚Feuertaufe‘, ‚Du und ich‘ und ‚Alles schon gesehen‘ machen das neue Album zum echten Ohrenschmaus mit Hitpotenzial.

1. Der die Sonne schlafen schickt
2. Wege ohne Namen
3. Lebemann
4. Himmel und Hölle
5. Gaukler
6. Kunstraub
7. Feuertaufe
8. Du und ich
9. Doof
10. Alles schon gesehen
11. Belladonna
12. Die Beute

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Über Agnes Berndanner

Agnes Berndanner | Freie Musikjournalistin. Geboren in Weißenburg i. Bay., derzeit beheimatet in Mannheim. Studium der Theater-, Musiktheater- und Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth. Zu jeder Situation den passenden Soundtrack, doch zu Hause fühlt sie sich in den musikalischen Extremen.