... schuldig im Sinne der Anklage

Secrets of Sin – Metal-Perfektionisten im Interview

Die unzähligen Richtungen des Metal machen einem wirklich das Leben schwer. Melodic- und Symphonic Metal sind nur Beispiele der unglaublichen Artenvielfalt, die man im Plattenkeller vorfindet. Nun kam frühmorgens Future Memories von Secrets of Sin in mein Postfach geflattert! Also gleich mal reinhören – ein bisschen Mystik, Epik und Gekreische kommt ja immer ganz gut zum Café Crema. Überraschung! Da erwartete mich viel mehr als irgendeine Newcomerband des angesagteren Subgenres. Ich habe lange nichts so Innovatives aus diesem Genre gehört und das auch noch aus deutscher Schmiede. Nun war ich wirklich neugierig und habe die Band kurz darauf ausführlich interviewt. 

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Quelle/Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Metal Promotions/Secrets of Sin

Quelle/Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Metal Promotions/Secrets of Sin

Sorry, zuerst ein unvermeidlicher Klassiker. 
Wie seid Ihr jeweils zur Musik, zu Euren Instrumenten/Gesang und speziell zu dieser Richtung gekommen?

Philipp: Zur Musik sind die meisten von uns ganz klassisch über das Erlernen eines Instruments während der Schulzeit gekommen. Mit 15 haben wir uns dann mehr oder weniger zu einer Band zusammen gefunden. Von der jetzigen Besetzung ist nur Christina nicht an diesem Anfang beteiligt gewesen.
Christina: Ich habe, eigentlich auch ganz klassisch, mit Chor und Jugendmusical angefangen. Nachdem ich dann (auch mal mit Keyboard) in verschiedenen Coverbands unterwegs war, bin ich letztlich hier gelandet.
Michi: Die Richtung ergibt sich denke ich aus unserem musikalischen Hintergrund. Wir haben uns beim Musikmachen eigentlich immer an der Musik orientiert, die wir auch gehört haben oder auch heute noch hören.

Manchmal erinnerten mich Epik und Druck der Songs und auch die Stimme von Robert an eine meiner Lieblingsbands: Blind Guardian. 
Habt ihr solche Vorbilder?

Niklas: Ja, aber Blind Guardian gehört, denke ich, nicht direkt dazu. Obwohl ich die Band wirklich klasse finde. Auf der anderen Seite ist es auch schwer einzuschätzen, wer einen jetzt gerade beeinflusst.
Robert: Ich persönlich werde sicherlich von Bands wie Nightwish und Machine Head beeinflusst. Aber generell höre ich auch sehr gerne Film- und Spielemusik und alle möglichen Arten an Metal und Rock. Das fließt  alles mit ein.

Was hat es mit Eurem Bandnamen auf sich?

Philipp: Bandnamen sind ja immer so eine Sache. Ich glaube als wir uns den 2007 überlegt haben, hat er für uns noch anderes bedeutet als heute. Für mich persönlich drückt er einfach unsere Musik aus und auch die hat sich über die Zeit gewandelt.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist „Future Memories“ erst eure zweite, größere Veröffentlichung: Trotzdem klingt das Album absolut professionell und ist von den Arrangements wirklich konkurrenzfähig mit den ganz Großen. 
Habt ihr nicht wahnsinnig viel Zeit im Studio verbringen müssen? Woher nehmt ihr sie? Habt ihr noch Brotjobs?

Philipp: Was man einfach sehen muss ist, dass wir so gut wie keine anderen Hobbys haben. Die Zeit im Studio war ziemlich intensiv und wir haben während den Aufnahmen fast alles an Prioritäten hinter die Band zurückgestellt. Was die Jobs angeht: Ja, wir arbeiten oder studieren, teilweise sogar beides. Ich bin mir selbst nicht ganz sicher wie das funktioniert, aber das tut es.
Robert: Da kann ich Philipp nur zustimmen. Ich glaube es funktioniert auch deshalb, weil uns das Musikmachen einfach richtig viel gibt und wir mit Herzblut dahinter stehen. Von daher investieren wir auch sehr gerne Zeit. Da wir zudem alles selbst finanziert haben, waren wir was die Gestaltung und Zeiteinteilung betraf recht flexibel, was rückblickend ziemlich wichtig war.

5.  Mein Lieblingssong auf Eurem Album ist „The Joker“. Dass ich bei einem Metalstück mit spöttischen Trompetenklängen begrüßt wurde, fand ich genial. Dann kommt auch noch, wie ein Staubwedel der Synthi-Sound dazu und wischt den pathetischen Hells Angels-Mief aus der Symphonic-Ecke des Metallkellers. 
Sprechgesang, wagemutige Instrumentierung, Duette: Wie seid Ihr auf die Ideen für die Vocals, Effekte und Instrumente gekommen? Ergibt sich das beim Einspielen oder plant ihr das im voraus? Holt ihr Tontechniker oder Studiomusiker dazu?

Niklas: Zuerst mal zum kreativen: Die Grundidee für die etwas alternative Gestaltung des Song kam ursprünglich von Robert. Wir hatten es bei diesem Album so gemacht, dass ich die Texte fertig geschrieben habe und er dann seine Interpretation des ganzen in Musik gefasst hat. Typischerweise gab es danach ein wenig kreativen Streit, weil er Dinge meist anders sieht als ich. Beim Joker war das zwar auch so, aber irgendwie waren wir trotzdem alle begeistert.
Die einzelnen Komponenten kamen dann nach und nach dazu, genauso wie die Gastmusiker an Gesang und Trompete, aber die Grundidee des Songs stand schon relativ früh. Das interessante daran ist, dass wir gerade bei diesem Song bis zum Ende immer wieder etwas verändert oder hinzugefügt haben. Ich persönlich glaube, dass das den Song (zumindest für uns) zu etwas Besonderem macht.

6. Christinas und Roberts Stimme ergänzen sich wunderbar, die Duette bringen eine besondere Dynamik in manche Songs. 
Hört es sich nur so an, oder genießt ihr es, zusammen zu singen? Oder ist es furchtbar harte Arbeit und Ihr möchtet Euch manchmal gegenseitig erwürgen? ;-)

Robert: Ich glaube, wir verstehen uns einfach, was gerade bei Stimmgestaltung enorm wichtig ist. Es ist zwar gewiss etwas Arbeit, aber die macht mir zumindest sehr viel Spaß.
Christina: Da kann ich nur zustimmen. Ich muss sagen, es macht sehr viel Spaß mit Robert zusammen zu singen. Aber es gehört ja nicht nur der Gesang dazu, sondern auch das ganze drum herum. Wir verstehen uns alle wirklich gut und das macht schon einiges aus. Dass man sich trotzdem manchmal auf den Keks geht, ist glaube ich normal. ;-)

Ich bin der Meinung, dass ihr eine neue Ära des Symphonic/Melodic Metal mitbegründet und bin davon hellauf begeistert. 
Das Album klingt für mich vielleicht auch deshalb nach einem höheren, künstlerischen Anspruch, dem ihr sehr konsequent nachgeht. Stimmt das?

Michi: Wir haben immer das Ziel gehabt, besser zu werden und nehmen uns jede Kritik, so man etwas damit anfangen kann, zu Herzen. Ich denke, wir sind alle Perfektionisten. Wenn das als höherer künstlerischer Anspruch zählt, schuldig im Sinne der Anklage.
Robert: Ich persönlich, finde es schön zu experimentieren. Da ich von den typischen Symphonic Metal Bands nur Nightwish und zudem viele andere Stilrichtungen regelmäßig höre, fließen auch verschiedene Stilrichtungen mit ein.

Metal made in Germany ist ja immer noch „Nische“ (auch wenn das echt traurig ist) – Ich finde aber, ihr könnt da absolut mit den Bands aus dem Norden und England mithalten. Wo seht ihr Euch selbst im internationalen Vergleich?

Niklas: Ich finde es immer schwer, eigene Schöpfungen zu bewerten. Zumal die Geschmäcker in der Musik ja bekanntlich sehr verschieden sind. Ich würde sagen, wir können etwas bieten, das man nicht alle Tage hört, auch von internationalen, großen Bands nicht. Wem das gefällt und wer bereit ist, die Musik auf sich wirken zu lassen, der ist bei uns richtig.

Auf der Homepage von Metal Promotions, Eurer Agentur, heisst es geheimnisvoll, dass ihr einiges für Eure Zukunft plant. Könnt ihr uns inzwischen verraten, was da noch von Euch kommt?

Michi: Naja, Auftritte spielen auf jeden Fall. Ein neues Video und auch neue Songs sind geplant und teilweise auch schon am entstehen. Mehr verraten wir dazu aber noch nicht.

Live kommen Eure Titel sicher auch richtig gut. Viele Bands leben für ihre Auftritte. Was ist Euch persönlich lieber – live oder Studio?

Niklas: Für mich hat beides seinen Reiz und seine Tücken. Live ist man nie ganz so gut wie man gerne wäre, im Studio fehlen die Fans. Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es echt schwer. Gott sei Dank können wir beides haben.
Robert: Ich kann Niklas hier nur zustimmen. Vielen Dank für die Einladung zum Interview.

Future Memories – das sind knallige Schlachtenklänge, Streichensembles, überraschende Effekte, Akustikgitarren, Synthi-Akrobatik, Klaviereinlagen, Blechbläser, Chorgesang. Und vergessen wird auch nicht gruseliges Gelächter, bizarrer Sprechgesang und die pathetische Tragik als unverkennbares Genremerkmal.

Unbedingt anhören!

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Über Anja Thieme

Anja Thieme lebt in Ost-Westfalen/Lippe und arbeitet seit über 10 Jahren als freie Autorin und Journalistin. Mit der Arbeit für amusio.com verbindet sie ihre große Leidenschaft für Musik mit ihrem Beruf.