Am Köthener Hof anno 1723

Was amüsierte die Amusa wirklich – wenn schon nicht Bachs Konzerte?

War für Bachs Abschied vom Köthener Hof und dem kunstbeflissenen Fürsten Leopold I. wirklich dessen frischgebackene Ehefrau, die erst neunzehnjährige Prinzessin Friederica Henrietta von Anhalt-Bernburg ausschlaggebend? Vorgeblich schätzte sie die Musik wenig. Bach, der später von einer glücklichen Zeit in Köthen schrieb, berichtet, dass „es denn das Ansehen gewinnen wollte, als ob die musicalische Inlincation bey besagtem Fürsten in etwas lauicht werden wollte, zumahln da die neue Fürstin schiene eine amusa zu seyn.“ Tatsächlich konnte sie ja bei der Einsicht in die Ausgaben für die Hofhaltung Leopold in der einen oder anderen Richtung beeinflusst haben.

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Der Bachsaal im Schloss Köthen (timitti)

Der Bachsaal im Schloss Köthen

Wie auch immer: Der Verlust dreier wichtiger Musiker in den vorangegangenen Jahren mochte den Hofkapellmeister etwas verstört haben, ebenso die Tatsache, dass seit 1720 keine Gastmusiker zur Verstärkung bei Konzerten mehr an den Hof geholt wurden. Bachs Ehefrau Anna Magdalena Bach wurde im Mai 1722 als Kammersängerin eingestellt und bezog damit das doppelte Gehalt wie ein Kammermusiker, rangierte damit also direkt unter dem Kapellmeister, also ihrem Mann. Der Musikwissenschaftler Christoph Wolff fragte sich daher zu Recht, ob Bach die finanziellen Möglichkeiten des Fürsten nicht überschätzt hatte. Oder er wollte Einschränkungen, die durch eine Anstellung von Anna Magdalena bedingt sein möchten, einfach nicht wahrhaben. Für ihr Gehalt, bemerkt Wolff, hätten ja auch neue Instrumentalisten beschäftigt werden können.

Von einer spezifischen Abneigung Frederica Henriettas gegenüber der Musik ist sonst nichts bekannt. Dass sie in die Kameralistik miteingreifen konnte, hätte auch Bach als zwangsläufige Folge akzeptieren müssen. Da das Fürstentum hohe infrastrukturelle Ausgaben zu leisten hatte, war eben keine luxuriösere Aufwendung für die Musik, die immerhin mit 4% der Gesamtausgaben veranschlagt war, möglich. Auf einen Fürsten, der in der Sphäre aufgeklärter Monarchien agierte, fällt freilich kein günstiges Licht, dass die Position „Almosen“ mit dem geringsten aller veranschlagten Etats auskommen musste …

 

 

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.