Einmal mit alles ohne Gitarre, bitte!

Feline & Strange: „Science Fiction“

Abseits der großen Neuerscheinungen, die sich allherbstlich in den Charts um die besten Plätze kloppen, tauchen immer wieder unerwartete, bemerkenswerte Künstler auf. Sie treten auf den Schirm mit einem Werk, das die Grundfesten der Popmusik ordentlich zum Zittern bringen würde, hätten sie die entsprechenden Mittel für massenwirksames Marketing. So wie die Berliner Band Feline & Strange, die auf ihrem zweiten Werk „Science Fiction“ eine verrückte musikalische Reise durch (fast) alle Sparten der E- und U-Musik unternimmt.

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They call it Epic Jazz-Pop: FEline & Stranges "Science Fiction" (Quelle

They call it Epic Jazz-Pop: Feline & Stranges „Science Fiction“
(Quelle: Office4Music)

Zentrum dieser Band ist Feline Lang. Sie ist das, was dem Begriff „Powerfrau“ zu Grunde liegt: Sängerin und Musikerin von Feline & Lang, Schauspielerin und Regisseurin. Sie sprüht geradezu vor kreativen Ideen. Kein Wunder, dass „Science Fiction“ zu einem Gesamtkunstwerk geriet. Verpackt in eine Geschichte, die im liebevoll gestalteten Booklet erzählt wird, verhandelt die Platte verrücktes wie Werwölfe, berichtet über Aliens, aber auch über Hass und Liebe, über Selbstmord und Einsamkeit.

Selbst das Label hat Probleme, die musikalische Ausrichtung des Quintetts zu einzuordnen. Es ist aber auch ein Ding der Unmöglichkeit. Eröffnet wird „Science Fiction“ mit dem gleichnamigen Song, einem Hybrid aus sphärischen Synthieflächen und klassischen Streichern. Daraufhin folgt mit „Hello World“ ein unbeschwerter Pop-Song, und „Because (A Wedding Waltz)“ bietet unterschwellig melancholische Kammermusik.

Damit aber noch nicht genug: Die Band pflügt auf Albumlänge die gesamte Musik um, liebäugelt mit Mariachi-Klängen („I See You“), Bossa Nova („Leaving For The Seaside“), Polka-Punk („You Said“) und experimentiellem Jazz („Anybody“). Über all diesen Songs thront Felines Stimme, die leichtfüßig durch die Oktaven springt und zwischen Operngesang und Soul pendelt, oder wie bei „Love Is Utterly Overrated“ ihr Organ im klassischen Cabaret-Stil überschlagen lässt.

Das verrückte an dieser Geschichte: Trotz des Stilmischmaschs ist „Science Fiction“ nicht mühselig zu hören, sondern geht locker-flockig ins Ohr. Denn Synthesizer, Bläser, Streicher, Harfe, Schlagwerk, Kastagnetten und Akkordeon agieren so miteinander, als wären sie schon von Tradition her eine Einheit gewesen. Nur E-Gitarren findet man bei Feline & Strange nicht. Aber irgendwas ist ja immer.

VÖ: 31.10.2013 (Office4Music)

Hier ein kleiner Ausschnitt von dem, was einen erwarten wird

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!