Shakespeare im Wilden Westen

Hatfields & McCoys bei RTL Crime

Die Namen Hatfield und McCoy dürften hierzulande wohl kaum bekannt sein. In den Vereinigten Staaten kennt sie jedes Kind, denn die Fehde der Familienclans ist Teil der amerikanischen Geschichte und brachte die Staaten Kentucky und West Virginia an den Rand eines zweiten Bürgerkrieges.

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Kevin Costner als Patriarch Anse Hatfield, Quelle: History Channel

Kevin Costner als Patriarch Anse Hatfield, Quelle: History Channel

Der amerikanische Kabelsender History nahm sich des Themas an und begab sich auf ungewohntes Terrain und produzierte eine fiktionale Geschichte auf Basis der historischen Ereignisse.

Und dann war da natürlich Kevin Costner, der sich als Produzent für die dreiteilige Mini-Serie stark machte.

Die Familienpatriarchen Anse Hatfield (Kevin Costner) und Randall McCoy (Bill Paxton) kämpften während des Sezessionskrieges für den Süden. Hatfield desertiert, wohl weil er Schnauze voll hat vom Krieg und auch sieht, dass dieser nicht mehr zu gewinnen ist. McCoy gerät in Kriegsgefangenschaft und kehrt mittellos und traumatisiert in die Heimat zurück. Dort muss er feststellen, dass Hatfield zu den Kriegsgewinnlern gehört und eine florierende Holzwirtschaft aufgebaut hat. Neid war immer schon eine Antriebsfeder des menschlichen Handelns. Ein Rechtsstreit um ein entlaufenes oder gestohlenes Schwein führt zur ersten Eskalation des Streits. Als es dann zu einer Liebesbeziehung zwischen der Lieblingstochter McCoys (Lindsay Pulsipher , True Blood) und Hatfields ältestem Sohn (Matt Barr) kommt, gerät der Streit aus den Fugen und mehr als ein Dutzend Tote sind auf beiden Seiten zu beklagen.

Costner & Paxton, Quelle: History Channel

Costner & Paxton, Quelle: History Channel

Am Anfang ist es etwas schwierig, sich in den großen Clans zu orientieren. Hat man sich aber erst mal zurechtgefunden, entspinnt sich ein Drama von shakespeareschen Ausmaß. Und dieses Drama ist hochkarätig besetzt. Neben Costner und Paxton glänzt vor allem Tom Berenger in der Rolle des Uncle Jim Vance. Er mimt hier den gewalttätigen Psychoparten par excellence. Auf Seiten der McCoys überzeugt Ronan Vibert als schleimiger Anwalt Perry Cline, ein manipulativer Jago, um im Shakespeare Bild zu bleiben.

Bei einer History Channel Produktion versteht es sich schon fast von selbst, dass auch großer Wert auf Kostüme und Ausstattung gelegt wurde. Regisseur Kevin Reynolds (Robin Hood, Waterworld) und Kameramann Arthur Reinhard finden fantastische Bilder für die archaische Welt der Appalachen. Gedreht wurde übrigens nicht an Originalschauplätzen sondern in Rumänien am Rande der Karparten.

Diese Miniserie beweist einmal mehr, das große Kino findet heute (sehr oft) im Fernsehen statt.

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Über Mick Baltes

Jahrgang 1962, studierte Politikwissenschaft und Kunst in Duisburg. Hat Spaß an Blues, Rock und gutem Songwriting. Ist Cineast und TV-Junkie. Arbeitet als Redakteur und Webdesigner.