Nick Holmes rockt seit 25 Jahren

Paradise Lost im Interview: Die Gothic-Metal-Legende lebt

Als Begründer des Gothic- und Doom-Metals haben Paradise Lost sich ihren Platz in den musikalischen Geschichtsbüchern schon lange gesichert, faul auf ihrem legendären Arsch sitzen tun sie jedoch in keiner Weise. Ende des Monats starten sie mit Lacuna Coil und Katatonia einen neuen Kreuzzug und machen natürlich auch in Deutschland halt, davor gibt es zum Anheizen jedoch noch die brutzelnde Scheibe „Tragic Illusion 25 (The Rarities)“, die alles vereint, was innerhalb der 25-jährigen Bandgeschichte nicht mehr auf die Alben gepasst hat.

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Nächsten Monat auch endlich wieder auf Deutschlandtour: Paradise Lost (Foto: Paul Harries)

Nächsten Monat auch endlich wieder auf Deutschlandtour: Paradise Lost (Foto: Paul Harries)

Über die Platte sprachen wir mit Sänger Nick Holmes, doch auch was er über Twitter, seine „Kinder“ und das Finale von Breaking Bad zu sagen hat, erfahrt ihr hier:

Amusio: Hi Nick und vielen Dank für deine Zeit! Auf eurem neuen Album habt ihr nicht nur B-Seiten-Tracks und Coversongs veröffentlicht, sondern auch Remakes von eurem „Gothic“ und „Our Saviour“, die im Original nun über 22 Jahre alt sind. Was bewegte euch dazu und war es nicht ein einer Weise beängstigend, eure Klassiker neu zu bearbeiten?

Nick Holmes: Die Aufnahmen gingen enorm schnell, da wir die Songs ja aus dem Stegreif einspielen konnten und keine zehn Anläufe brauchten, bis die Version gut genug ist, um sie auf die Menschheit loszulassen. Deshalb hatte ich gar keine Zeit, wirklich darüber nachzudenken, was wir da tun.
Aber im Nachhinein kamen dann doch die Erinnerungen hoch an den Mist, den wir verzapft haben, als wir 18 oder 19 Jahre alt waren (lacht). Unser Hauptziel war es aber, ein Remake zu produzieren, das problemlos mit dem Original mithalten kann und vielleicht sogar besser ist.

Zusätzlich habt ihr ja zwei Coversongs auf der Scheibe, darunter „Missing“ von Everything But The Girl. Mich überraschte, dass ihr es nicht in den Neunzigern aufgenommen hattet, als der Originalsong hoch in den Charts war, stattdessen wurde es erst etwa zehn Jahre später veröffentlicht. Warum habt ihr euch entschlossen, gerade diesen Song zu covern?

Ich selbst liebte das Lied einfach seit Jahren und als wir über Bonustracks für unser Album „In Requiem“ nachdachten, schlug ich vor, ein Cover von „Missing“ aufzunehmen. Greg war anfangs völlig traumatisiert von dem Vorschlag, schließlich ist es ein Pop/Techno-Song, aber wir verliehen ihm einfach unserem üblichen Touch und es funktionierte prima.

„Tragic Illusion 25“ liefert bei jedem Track einen anderen musikalischen Stil und ist somit die perfekte Zusammenfassung eurer Karriere, Gothic Metal, Elektro, Symphonic, mal mit Growls, mal mit Clear Vocals – wenn ihr das alles so auf einem Haufen seht, wisst ihr dann schon, ob ihr für euer nächstes Album zu einer ganz bestimmten Richtung zurückkehrt?

Nein, eigentlich nicht. Man sieht zwar in der Tat die verschiedenen Entwicklungen, aber es wäre sehr schwer für uns wieder direkt auf nur ein Genre zurückzukommen, einfach weil wir ja auch älter wurden und manche der Stile 20 bis 25 Jahre in der Vergangenheit liegen. Außerdem möchte ich nichts kopieren oder neu aufwärmen, viel mehr lernt man ja im Laufe der Zeit und aus all dem, was man daraus mitnimmt, entsteht etwas Neues.

Du bist sehr aktiv auf Twitter und deine Tweets lesen sich äußert amüsant. Siehst du die Sache als eine Art sarkastisches Tagebuch oder nutzt du es vor allem auch, um mit deinen Fans in Kontakt zu sein?

Ja, man könnte es als eine Art Tagebuch bezeichnen, aber seien wir mal ehrlich, ich poste da nichts aus den tiefsten Tiefen meiner Seele, sondern rede hauptsächlich irgendwelche Scheiße… gut, das tue ich überall, nicht nur auf Twitter (lacht) Für mich ist es ein guter Zeitvertreib, wenn ich Backstage auf die Show warte. Wir alle aus der Band sitzen dann vor unseren Handys, posten Krempel bei Twitter und schreiben uns gegenseitig an, denn wenn ich schreibe, hören die anderen Vögel aus der Band mir wenigstens mal zu (lacht) Nein, ich liebe das, für mich ist es ein perfektes Kommunikationsmittel und ich bevorzuge es zu Facebook – aber nehmt bloß nicht so ernst, was ich da täglich schreibe!

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.