Fallbeil: Eine kurze, aber notwendige Polemik zum Wagner-Jahr

2013 wird es schwer werden, an Richard Wagner vorbeizukommen. Das liegt daran, dass in diesem Jahr nicht nur sein 200. Geburtstag gefeiert wird (ohne mich), sondern auch sein 130. Todestag (darauf stoße ich an). Allein der Gedanke daran, was in den nächsten Monaten aus dem Feuilleton auf uns zukommen wird, verursacht mir Übelkeit. Wer es noch nicht gemerkt hat: Ich kann Wagner nicht ausstehen – weder seine Musik, noch seine überkandidelte Kunstauffassung, noch die Wertschätzung, die der zutiefst antisemitische Gnom immer noch genießt. Ich möchte das kurz und schmerzlos begründen.

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Eigenschaften wie Spiritualität, Wärme und Humanität, welche beispielsweise Bachs und Mozarts Kompositionen auszeichnen, sucht man in Wagners Musik vergebens. Stattdessen werden einem die Ohren mit pompösen Bombast zugekleistert, der Tiefsinnigkeit und Transzendenz vorgaukelt, aber in Wirklichkeit doch nur von nordischem Esoterik-Ramsch durchsetzter Schwulst ist.

Richard Wagner

Foto: Public Domain

Heraus kommt kultureller Sondermüll, musikalischer und ideologischer Größenwahn – Wagner selbst nannte das völlig ironiefrei „Bühnenweihfestspiele“ (darunter macht’s der Meister nicht), der nun Jahr für Jahr in einem eigens dafür errichteten Festspielhaus verklappt wird. Bei den Nazis hieß ähnlich gelagerter Schmarrn dann Ting-Theater.

Denn natürlich war der Autor von „Das Judenthum in der Musik“, einer Hetzschrift, die zum widerlichsten gehört, was je in deutscher Sprache verfasst wurde, einer von Hitlers Lieblingskomponisten und Onkel Adolf in Bayreuth ein gern gesehener Gast.

Francis Ford Coppola hat das richtig erkannt, als er die legendäre Hubschrauber-Sequenz aus „Apocalypse Now“ mit dem Wallküren-Ritt unterlegt hat: Zu keiner anderen Musik lassen sich hilflose Vietnamesen besser abknallen. Oder in Woody Allens Worten: ”Noch fünf Minuten länger Wagner und ich wäre in Polen einmarschiert.”

Statt diesen Popanz auch noch abzufeiern, wäre es an der Zeit, das Festspielhaus in Bayreuth endlich abzufackeln. Benzin und Feuerzeug hätte ich da.

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Über Christian Siebje

Christian Siebje | Jahrgang 64, aufgewachsen in Hamburg. Lebt und arbeitet als Journalist, Texter, Blogger und Familienvater in Karlsruhe. Musik als Leidenschaft: Bach, Klassik, Electronica, Alternative, Reggae, Soul, Jazz, Pop, Punk & Avantgarde.