Fremdschämen für Fortgeschrittene

Hautnah! – Das Promimagazin ohne Prominente

Gestern lief auf RTL II die Testfolge von Hautnah! – Das Promimagazin. Getestet wurde, wie tief man das Niveau im Trash-TV noch nach unten schrauben kann.

Die Sendung wird von Micaela Schäfer moderiert, dem Nacktmodel, das keine Gelegenheit auslässt, seine Hupen zu zeigen. Der Spiegel spricht in diesem Zusammenhang recht treffend von Entfremdung.

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Micaela Schäfer, Quelle: RTL II

Micaela Schäfer, Quelle: RTL II

Aber pardon! Von Moderation kann man da eigentlich nicht sprechen. Schäfer lächelt wissend vor sich hin und flirtet mit der Kamera oder zumindest versucht sie das. Der Text wird aus dem Off gesprochen.

Man kann sich vorstellen, dass die Macher zunächst eine echte Moderation mit ihr versucht haben, aber nachdem ein Tonmann in eine katatonische Schockstarre gefallen war, und ein Weiterer einen epileptischen Anfall erlitt, hat man sich für die Off Text Variante entschieden. Vielleicht.

Sprechen im Fernsehen ist ja nicht ganz ungefährlich und da liegt dann auch schnell der Verdacht nah, dass Schäfer für die Off-Ton Aufnahmen von einer Sprecherin gedoubelt wurde. Diese Aufnahmen versprühen so viel  Erotik wie eine Dose Thunfisch. Irgendwie wirken sie dabei wie die Zwischensequenzen in einem Porno, die die nächsten Szenen, in denen es dann wieder richtig zur Sache geht, dann mit einer Überblendung einleiten …

Inhaltlich sind die Texte voller Selbstbeweihräucherung („wir Stars“) kaum zu ertragen.

In diesem Promimagazin ohne Prominente gibt es drei Erzählstränge, wobei das Wort Erzählung bei der vorgeführten Leere und Inhaltslosigkeit schon ein bisschen hoch gegriffen erscheint. Einmal mehr werden Menschen vorgeführt und die Kommentare lassen keinen Zweifel daran, dass es auch genau und ausschließlich darum geht.

Da ist zunächst Mieke, ein naiver, talentfreier, fleischgewordener Blondinenwitz. Mieke  will genauso berühmt werden wie ihre Freundin Micaela. Bei dieser nimmt sie Unterricht und investiert erst mal mit einer Brustvergrößerung in ihre Karriere. Schäfer zeigt recht eindeutig, dass sie ihre „Freundin“ für eine Versagerin hält. Mieke merkt davon aber nix. Da sitzen sie in der Garderobe, labern und betasten ihre Betonmöpse. Mein Gehirn startet ein Notfallprogramm, blendet den Ton aus und synchronisiert neu:

„Wusstest du eigentlich, dass bei jeder Brustvergrößerung Hunderttausend Gehirnzellen verlorengehen?“

„…Wie viel?“

„Wie viel was?“

Vorgeführt wird auch die ehemalige Top-Model-Teilnehmerin Gina-Lisa Lohfink. Jede Wette, es war ein Regieeinfall, sie auf einer Promiparty neben der Klofrau zu platzieren und damit zu zeigen – da gehört sie hin.

Richtig peinlich wird es dann mit Harald Glööckler Fan Chantal. Hier wird Fan Besessenheit aufs Peinlichste vorgeführt. Da wird der Freund mal schnell in einen Glööckler Klon umgestylt, und am Ende kommt es dann noch zu einer Begegnung mit dem Idol. Glööckler lächelt verkrampft und man sieht ihm an, dass er sich auf seinen Heimatplaneten zurückwünscht. Mit Chantal wird die Art Fan vorgeführt, der einen Star (nach einem zu schweren Essen) nachts schweißgebadet aus dem Schlaf hochschrecken lässt, weil ein solcher Fan gerade eine Mac-10  aus dem Dekolleté gezogen hat und alle Anwesenden ummähte. Es war nur ein Traum.

Ich habe keine Ahnung, was sich die Jungs bei RTL II so reinpfeifen, aber es scheint ernsthafte Nebenwirkungen zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass das deutsche Fernsehpublikum nicht so dumm ist, wie die Fernsehmacher es annehmen, und dass der Test mangels Quote als gescheitert abgeschrieben wird und uns weitere Folgen dieses Machwerks erspart bleiben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

 

 

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Über Mick Baltes

Jahrgang 1962, studierte Politikwissenschaft und Kunst in Duisburg. Hat Spaß an Blues, Rock und gutem Songwriting. Ist Cineast und TV-Junkie. Arbeitet als Redakteur und Webdesigner.