Über den Kampf mit dem eigenen Körper

Tocotronic mit neuem Video: „Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools“

Dass Tocotronic nach 20 Jahren Bandgeschichte immer noch wichtige und gesellschaftlich relevante Themen in ihren Songs ansprechen, zeigt ihr neuer Clip zum Song „Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools“. In Zusammenarbeit mit Regisseur Aron Krause ist eine bewegende Miniatur über den Kampf mit dem eigenen Geschlecht entstanden. Die Szenerie stellt einen Jungen in irgendeiner Wohnung in irgendeiner Stadt in Deutschland oder an einem anderen Ort der Welt dar. Das Zimmer steht Kopf. Das Kind ist neugierig und wühlt ein bisschen herum. Dabei findet es Erdbeeren. Doch die Früchte sind nicht nur Objekt der Naschbegierde. Man kann sie ja auch als Lippenstift verwenden.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Sehen das alles überwindende Glück in der Reinheit des Wassers: Tocotronic Foto: Katja Ruge.

Sehen das alles überwindende Glück in der Reinheit des Wassers: Tocotronic
Foto: Katja Ruge.

In diesem Moment platzen die Eltern herein. Prompt fällt der Junge von der Decke und schaut in empörte Vateraugen.

In den Unter-Wasser-Sequenzen wünscht sich das Kind eine Frau zu werden. Mit fortschreitendem Alter wird dieser Wunsch immer größer und bald schon wird aus dem einstigen Knaben eine Frau. Die Abkehr der Eltern bleibt dabei nicht aus.

Vor einer etwaigen Aussöhnung innerhalb der Familie stirbt dann jedoch der Vater. Wieder flüchtet sich die Protagonistin in die heile Unter-Wasser-Welt in der alle Familienmitglieder glücklich lächelnd fürs Familienfoto auf dem Sofa sitzen.

In den folgenden Autoscooter-Sequenzen kommt dann noch einmal der Junge in der Hauptdarstellerin durch.

Es ist eben keiner nur zu 100 Prozent Mann oder 100 Prozent Frau.

Damit haben Tocotronic ihr Statement zum Umgang mit dem komplexen Thema Transgender abgegeben. Nur in „Glanz und Chlor“ kann das Richtige auch das Glücklich-Machende sein.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Peter Geuze

Lebt und arbeitet als Musiker, Musiklehrer und freiberuflicher Musikredakteur in Leipzig. Lieblingsthema ist rockige Gitarrenmusik, aber auch für andere Klänge hat er stets ein offenes Ohr.