CD-Review

Treffen der Generationen: das neue METAL-CHURCH-Album „Generation Nothing“

Heimlich, still und leise haben sich die US-Powermetaller METAL CHURCH nach ihrem Split 2009 wieder ins Geschäft zurückgeschlichen und ein neues Album eingespielt. Der Longplayer hört auf den Namen „Generation Nothing“ und wird ab 22. Oktober die Plattenläden rocken. Wir haben bereits reingehört.

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VÖ 22.10.2013: METAL CHURCH - Generation Nothing (BIld: Rat Pak Records)

VÖ 22.10.2013: METAL CHURCH – Generation Nothing (BIld: Rat Pak Records)

Fünf stramme Jahre sind vergangen, seit das glücklose Vorgängeralbum „This Present Wasteland“ erschien. Seither hat sich eine Menge getan um die Jungs aus Seattle. Erst verabschiedete sich das Plattenlabel SPV in die ewigen Jagdgründe und 2009 war auch für die Metallkirche erst mal Schluss mit lustig. Mastermind Kurdt Vanderhoof hatte von blutsaugenden Plattenfirmen gründlich die Schnauze voll und gründete sein eigenes Label Rat Pak Records. Die Grundlage fürs Comeback war also gelegt, und im Frühjahr 2013 begannen METAL CHURCH mit den Aufnahmen.

„Das Album wird sehr thrashig daherkommen und die alten METAL CHURCH mit den neuen verbinden – das Beste aus zwei Welten“, verriet uns Sänger Ronny Munroe vor der Headlinershow beim Headbangers Open Air. Und er hat nicht zu viel versprochen. Man nehme eine Portion „Hanging in the Balance“, einen ordentlichen Schuss „The Weight of the World“, würze mit einer Prise „The Dark“ und ein wenig „The Human Factor“ und rühre gut um – heraus kommt ein feines Scheibchen namens „Generation Nothing“.

Der Opener Bulletproof macht mit einer massiven Wand von Riffs unmissverständlich klar, wo es lang geht. Eingängige Melodielinien wechseln sich ab mit schnellen, thrashigen Passagen. Der herrlich zähe Titel-Track erzählt die Geschichte der Generation Nothing, einer vor sich hin verblödenden Generation, die sich nur noch in einer virtuellen Scheinwelt aus Handy, PC, Tablet und Gamekonsole zurechtfindet.

Wiederum eine Menge Tempowechsel bietet das eingängige Jump the Gun. Das rhythmuslastige, stakkatoartige Suiciety könnte auch dem seligen Human-Factor-Album von 1991 entstammen. Mit Scream überfällt wieder eine gnadenlose Thrash-Granate die Gehörgänge – der wahrscheinlich energiegeladenste Song auf dem Album.

METAL CHURCH melden sich mit einem neuen Album eindrucksvoll zurück. (BIld: Rat Pak Records)

METAL CHURCH melden sich mit einem neuen Album eindrucksvoll zurück. (BIld: Rat Pak Records)

Mit dem geradlinigen Power-Metal-Kracher Hits Keep Comin’ ist den Kirchenleuten ganz entgegen ihrer Tradition ein echter Ohrwurm gelungen, der sich mit seinem Mitgröhl-Refrain unweigerlich in den Ganglien festfrisst.

Wer nach den beiden ultraschwachen Vorgängeralben „A Light in the Dark“ und „This Present Wasteland“ den Stern der Amerikaner bereits hat sinken sehen, sieht sich eines wesentlich Besseren belehrt. Das Album wirkt wie aus einem Guss, harte Thrash-Attacken wechseln sich ab mit eingängigen Melodielinien. Die Gesangsparts wirken besser arrangiert und Kurdt Vanderhoof glänzt mit feinen, sich perfekt in die Songs einfügenden Gitarrensolos. Auch wenn einige Tracks ein wenig Hineinhören erfordern: Man merkt den fünf Musikern deutlich an, dass sie mit ihrem neuen Label ihre künstlerische Freiheit wiedergefunden haben. Ausfälle? Allenfalls das gewöhnungsbedürftige Dead City.

Fazit: „Wer sagt’s denn, geht doch“, entfuhr es mir nach dem ersten Durchhören. Mit „Generation“ spielen Kirchenvorstand Kurdt und seine Mannen endlich wieder in der Metal-Oberliga, was ich nach den letzten Alben kaum für möglich gehalten hätte. Für die MC-Gemeindemitglieder ist der Kauf des Albums ohnehin wie die tägliche Bibellektüre. Doch nun darf sich endlich auch die Power-Metal-Laufkundschaft wieder trauen, zuzuschlagen.

Was denkt Ihr über „Generation Nothing“? Postet uns Eure Meinung mit der Kommentarfunktion!

Trackliste

METAL CHURCH – Generation Nothing (Rat Pak Records)

Bulletproof
Dead City
Generation Nothing
Noises in the Wall
Jump the Gun
Suiciety
Scream
Hits Keep Comin’
Close to the Bone
The Media Horse

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Über Thomas Mendle

Freier Journalist und Autor. Lebt nach Zwischenstationen in Tübingen, Phoenix/Arizona und Bonn in Düsseldorf und arbeitet für mehrere große Tageszeitungen sowie für die dpa. Rock, Hard Rock und Heavy Metal gehören ebenso zu seinen Spezialgebieten wie Auto und Motorrad.