Wer sich noch auf der Suche nach einem musikalischen Begleiter für die Herbsttage (nach einem langen ereignisreichen Sommer) befindet, kann sich nun zurücklehnen und genießen. Spannend und entspannt zugleich, legen Piano Interrupted einen Klangteppich aus, in den zu versinken Stunden dezent melancholischer Freuden bescheren kann, so die Zeit für eine intensive Beschäftigung mit „The Unified Field“ (Denovali) bleibt. Denn um als akustische Nebenher-Beschallung verwendet zu werden, sind sich Konzeption und Umsetzung des Albums sicher zu schade.

The Unified Field (Denovali)
The Unified Field (Denovali)

Piano Interrupted ist das Projekt der befreundeten Musiker Tom Hodge und Franz Kirmann. Während der Londoner Hodge bislang überwiegend in dem weiten Feld von Electronica, Techno und Pop unterwegs gewesen ist, konzentrierte sich der Franzose Kirmann auf die Schnittmenge von klassischer Musik und Minimal. Ihre Kooperation scheint von allem etwas zu beinhalten und, vielmehr noch, zu amalgamieren. Unterstützt von Greg Hall am Cello und Tim Fairhall am Doppelbass, erweist sich jede einzelne Note und die mit den Sounds einhergehenden Klangfarben als Teile eines in sich stimmigen Ganzen, das den gemeinsamen kreativen Prozess der beiden von Hause aus doch recht unterschiedlichen Künstlern transparent abbildet und mit unaufdringlicher Vielschichtigkeit absolut überzeugt.

Oder, um die Pressemitteilung des Labels zu zitieren, „dann ist“, im Vergleich zu den vorherigen Veröffentlichungen der beiden Freunde, „The Unified Field wesentlich stärker fokussiert und eine konzise Momentaufnahme von Piano Interrupteds Herangehensweise.“ Der Versuch, weiterhin die Charakteristik des Albums zu beschreiben, könnte leicht den Eindruck erwecken, es handele sich um eine eher sperrige bis komplexe Angelegenheit, für deren Verständnis die entsprechenden musikalischen Kenntnisse und Hörgewohnheiten vonnöten wären. Mitnichten!

Piano Interrupted (Facebook)
Piano Interrupted (Facebook)

Piano Interrupted ist ein Album gelungen, dass bei allem Anspruch im Detail mit einem gefälligen Flow aufwartet, dem sich nur der zu entziehen vermag, der sich im Grundsatz verweigert. Hier kommen Klavier- oder Aufnahmetechnik-Experten genauso auf ihre Kosten wie Musikgenießer, die gepflegt den Blättern beim Fallen zusehen wollen (wobei das Album sicher auch bei Schneefall funktioniert).

Wieder einmal hat das in Bochum ansässige Label (und Veranstaltungsbüro) Denovali unter der Federführung von Timo Alterauge und Thomas Hack unter Beweis gestellt, dass es versteht, immer wieder die Perlen der breit gefächerten (Ambient-) Szene aufzuspüren und zu betreuen. Mit „The Unified Field“ bestätigt Denovali seinen hervorragenden Ruf – und amusio auch diesem Album eine Qualität, die zu ignorieren einem Sakrileg gleichkäme.

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