Dance Celebration! in Hagen begeistert

Mit Ravel zum Höhepunkt

Sie ist nicht klein-beziehungsweise totzukriegen, Carl Orffs gute alte „Carmina Burana“. Die Lieder aus Benediktbeuren, die zu den frühesten Songs über die Liebe zu Sex, Essen und Gott berichten, bildeten schon oft die Folie für Tanzabende. Böse Zungen behaupten sogar, jeder Choreagraph, der etwas auf sich hält, müsse mindestens einmal die Carmina vertanzt haben. Vielleicht ist das ja ein Gerücht; jedenfalls aber stand sie am Anfang des „Dance Celebration!“ betitelten Medleys am theaterhagen. Der Einstieg war gut gewählt, die Musik setzte gleich einen mitreißenden Akzent. Aber dann kam das erste Solo, und das ließ Böses ahnen.

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Dance Celebration! Ensemble (Foto: Stefan Kühle, © theaterhagen)

Dance Celebration! Ensemble (Foto: Stefan Kühle, © theaterhagen)

Was der technisch versierte Solotänzer Bobby Briscoe da bot, blieb konsequent oberflächlich, rein am Rhythmus orientiert und ging am Thema des Liedes, um nicht zu sagen der ganze Carmina, komplett vorbei. Die offen zur Schau getragene Eitelkeit des Tänzers machte das Ganze auch nicht besser. Angesichts der noch vor einem liegenden weit über 2 Stunden konnte einen da schon ein mulmiges Gefühl beschleichen – doch – weit gefehlt. Denn dann folgte eine Reihe ausgesprochen kompakter, stringent choreographierter und getanzter Sequenzen, die die Zeit wie im Flug vergehen ließen. Ein besonders intensives Vergnügen war das „Präludium für ein Requiem“, gestaltet, nicht nur getanzt von Melanie Lopez und Huy Tien Tran zur Musik von Gorecki. Mit einzig einer fahrbaren Tür als Bühnenelement eröffnete sich ein Reigen von Szenen um Anziehung und Verlust, der in jedem Detail sehenswert war. Um es jetzt vorwegzunehmen: die meisten der ausgewählten Choreographien  von Ricardo Fernando funktionierten und liessen die Vielseitigkeit des Ensembles, aber auch des Choreographen, dessen zehnjähriges Wirken hier gefeiert wurde, in sehr vorteilhaftem Licht erscheinen.

Dance Celebration! (Foto: Stefan Kühle, © theaterhagen)

Dance Celebration! (Foto: Stefan Kühle, © theaterhagen)

Ob bei „All you need is Dance“ die Beatles beschworen wurden, der Tango sich auf der Theaterbühne ausbreitete, oder Mozarts Deutscher Tanz sehr witzig und mit fulminanten Kostümen wirkungsvoll in Szene gesetzt wurde – der Abend unterhielt trotz der unterschiedlichen Länge der Stücke als Gesamtleistung erstaunlich gut. Die nicht sehr große Bühne zeigte durch weite offene Räume und atmosphärisch dichte Details was sie konnte  (Ausstattung: Peer Palmowski), was bei der Menge der rasanten Umbauten eine wirkliche Leistung bedeutete. Einzig die großzügig eingesetzten Projektionen ließen mehrfach  das Tanzgeschehen im Vordergrund in den Hintergrund treten. Aus der Fülle der Choreographien verdienen zwei besonders erwähnt zu werden: Das „Aquarium Duett“, das mit zwei Tänzern in einem Wasserbecken seinem Namen alle Ehre machte. Zur Musik von Bear McCreary vollzogen Carla Silva und Eunji Yang das Spiel von Anziehung und Distanz mitreißend, souverän und sinnlich. Das Beste hatten sich die Hagener aber bis zum Schluss aufgespart: wieder ein Klassiker des musikalischen Repertoires, Ravels „Bolero“,

Dance Celebration! Ensemble (Foto: Stefan Kühle, © theaterhagen)

Dance Celebration! Ensemble (Foto: Stefan Kühle, © theaterhagen)

den ich auf größeren Bühnen schon viel, viel schlechter gesehen habe als hier. In einem spartanischen Bühnenbild, bestehend aus mehreren Kammern, das unheimlich schnelle Wechsel und Farbenspiele gestattete, wurde Ravels suggestive Musik von Verschiebung und Wiederholung perfekt ins Tänzerische transportiert. Für mich einer der absoluten Höhepunkte des Abends und allein schon ein Grund für alle Tanzfans, sich nach Hagen aufzumachen!

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