Das Leben ist schön

Marianne Rosenberg zeigt ihr Schattenherz

Nach ominösen Verzögerungen erscheint dieser Tage „Das Leben ist schön“ (Edel), der Erstling des selbsternannten Glam Pop-Duos Victoria und Victor, besser bekannt als Marianne Rosenberg und Dirk Riegner. Um es vorwegzunehmen: Bei diesem Album können nur Superlative greifen, so sie sich auf Deutschpop mit wohlig angedunkeltem Backgrund beziehen. 2Raumwohnung, Ich und Ich, … von Rosenstolz zu Rosenberg ist es nur ein kleiner Schritt für den einzelnen Hörer, doch ein großer für die deutsche Popmusikszene. Applaus und Vorhang auf für Schattenherz!

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Früher Cover-Entwurf (Schattenherz)

Früher Cover-Entwurf (Schattenherz)

Auf WDR 4, Melodien für ein gutes Gefühl, lief schon vor Wochen die Auskopplung „ Alles klingt“, ein Track, der mit seinem Retro-Analog-Sound sofort ins Ohr ging, obschon er so gar nicht in das musikalische Konzept des Senders passten wollte, auf dem, in dieser Hinsicht, Alphaville und a-ha tagtäglich das Sagen haben. Nun aber ist es endlich soweit, der Longplayer liegt vor. Und er überzeugt mit jedem Song, jedem Ton. Er ist ein Triumph. Ein Triumph auch unter kommerziellen Aspekten. Denn die Musik von Schattenherz bedient gleich drei zahlungskräftige Zielgruppen auf einen Schlag: Schlagerfans, Deutschpop-LiebhaberInnen der im Intro dieses Beitrags genannten Formationen – und die so genannte „Schwarze“ Szene!

Dirk Riegner ist es gelungen, eine Auswahl von Sounds und Kompositionen zur Verfügung zu stellen, die akut funktionieren, ohne ihre Wurzeln (NDW, Electropop, selbst Cold Wave) zu verleugnen. Und Marianne Rosenberg, ja die Marianne Rosenberg, brilliert im Vortrag, unter Einbeziehung ihrer Trademarks, die sie als Schlagersängerin der siebziger Jahre so emblematisch und einzigartig gemacht hat. Das Verziehen der Vokale, das Mädchenhafte – es ist alles noch da, doch es klingt, wie nie gehört. Was für eine Frau!!!

Schattenherz (Thomas Räse)

Schattenherz (Thomas Räse)

Auch die Texte scheinen bewusst mädchenhaft und scheinbar unbeholfen gehalten zu sein. Doch im Kontext von Konzept und Platte wirkt diese Gebrauchslyrik keineswegs störend. Machen wir uns nichts vor: Manchmal brauchen wir schiefe Bilder, um den wesentlichen Gefühlen im Leben (Liebe, Todesangst und so weiter) einen Ausdruck zu geben (und – es gibt weitaus Schlimmeres …).

Marianne schafft diesen Ausdruck auch englisch (Burning House, I tried to save the world, Mean Girls) und französisch (Amour fou). Überdies sticht mit orientalisch angehauchter Gesangsführung das „Wolkenlied“ hervor. Aber was heißt hier „hervorstechen“?! „Alles fließt dahin, kommt und geht wie du“, und so fließt auch dieser große Wurf der beiden Protagonisten, die sich im Sinne Schattenherz Viktoria und Viktor nennen. Artwork auch vom Feinsten, eine Band-Präsentation und CD (berlinieros promotion), die Begehrlichkeiten weckt … nachdenklich, eingängig, einzigartig! „Das Leben ist schön“ – Album des Jahres!

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