Englische Ausnahmekünstlerin im Gespräch

Polly Scattergood: „Was Worte angeht, bin ich wie ein Schwamm“

Die englische Singer-Songwriterin und Produzentin Polly Scattergood hat mit „Arrows“ gerade ihr zweites Album veröffentlicht. In einem exklusiven Interview mit amusio.com verrät die 25-Jährige, warum seit ihrem Debüt vier Jahre vergangen sind (und warum man auf das nächste Album vermutlich noch einmal so lange warten muss), weshalb man „Arrows“ von Anfang bis Ende durchhören sollte, wie Berlin ihre Musik beeinflusst hat und warum sie ungern mit Kate Bush verglichen wird.

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Die englische Künstlerin Polly Scattergood lädt zu einer musikalischen Reise ein / Foto: Frank Bauer

Die englische Künstlerin Polly Scattergood lädt zu einer musikalischen Reise ein / Foto: Frank Bauer

Wenn du deine Musik einem gehörlosen Menschen – oder eben einem lesenden Publikum – beschreiben müsstest, wie würdest du das tun?
Ich würde sie als eine epische akustische Reise beschreiben. Sie hat große Höhen und große Tiefen. An einigen Stellen mit kräftiger Geräuschkulisse, an anderen Stellen ziemlich rau.

Deine aktuelle Single „Wanderlust“ hat vermutlich nichts mit der deutschen Bedeutung dieses Wortes zu tun. Oder beschreibst du deine Passion fürs Wandern?
Nein (lacht). In Englisch bedeutet „Wanderlust“ die Leidenschaft fürs Reisen. In dem Song geht es darum, in Bewegung zu bleiben, nach vorne zu gehen und nicht zurückzuschauen.

Der Song ist eine Art Symbol für dein neues Album, das am 18. Oktober erschienen ist?
Ja, das stimmt.

Das Album heißt „Arrows“. Was bedeutet dieser Titel für dich?
Ich wollte es „Pfeile“ nennen, denn als ich begonnen habe, für das Album zu schreiben, fühlte ich mich gerade ziemlich verloren. Das Album hat mir eine Richtung und ein Ziel vorgegeben. Ich habe einige der Songs in England, andere in Frankreich und auch in Berlin geschrieben. Das Album hat mich sozusagen mit auf eine Reise genommen und mich in verschiedene Richtungen gewiesen. Ich wäre vermutlich niemals dahingegangen, wenn ich nicht am Album gearbeitet hätte. Deshalb wollte ich es „Arrows“ nennen.

Trotz Richtung und Ziel hast du zwei Jahre gebraucht, um „Arrows“ fertigzustellen. Warum hat es so lange gedauert?
Teilweise natürlich wegen der Reise, auf die mich das Album geführt hat. Ich wollte Songs schreiben, die weniger introspektiv sind, das heißt, es ging um eine Vorwärtsbewegung. An diesen Punkt musste ich in meinem Leben erst einmal kommen. Dann sind wir ins Studio gegangen, was für mich der schönste Ort ist, an dem man sein kann. Ich wollte einfach nicht wieder gehen. Glücklicherweise haben mir die Produzenten Zeit gegeben, damit am Ende alles so klingt, wie ich mir das vorgestellt habe. Und so habe ich quasi zwei Jahre lang Musik gespielt.

Du bist also eine Perfektionistin?
Ja.

Warum bist du nach Berlin gekommen, um Songs zu schreiben?
Ich habe „Machines“ in Berlin geschrieben. Eigentlich hat mir jeder geraten, diese Stadt zu besuchen, weil sie viele kreative Leute beheimate, die mich inspirieren würden. In unserem Hotel in Berlin waren sie unglaublich künstlerfreundlich. Sie ließen uns ein kleines Studio in einem ihrer Zimmer aufbauen und das Klavier im Foyer nutzen. Berlin ist eine inspirierende Stadt: Überall, wo man hinguckt, gibt es Kunst, was die Stadt zu einem perfekten Ort macht, um Texte zu schreiben.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.