Englische Ausnahmekünstlerin im Gespräch

Polly Scattergood: „Was Worte angeht, bin ich wie ein Schwamm“

Eloquente und nachdenkliche Texte sind das Markenzeichen der 25-Jährigen / Foto: Frank Bauer

Eloquente und nachdenkliche Texte sind das Markenzeichen der 25-Jährigen / Foto: Frank Bauer

Wie hat Berlin „Machines“ beeinflusst?
Ich denke, jeder Song nimmt etwas von seiner Umgebung auf. Die Weite und Geschichte Berlins sind Teil der Musik bei „Machines“ geworden.

Was hat sich zwischen deinem ersten Album „Polly Scattergood“ und dem jetzigen verändert?
Mein erstes Album habe ich geschrieben, da war ich zwischen 16 und 20 Jahre alt. Das war natürlich eine Zeit des Heranwachsens, in der ich in meiner Musik die Erfahrungen verarbeitet habe, die zum Erwachsenwerden dazugehören. „Arrows“ sollte nicht so introspektiv werden. Ich wollte etwas erschaffen, das musikalischer ist, in dem es mehr um die Musik geht. Es sollte ein Album sein, das den Zuhörer nicht erdrückt.

Deine Texte sind sehr eloquent und nachdenklich. Wie bekommst du deine Ideen?
Ich schreibe sehr viel, unter anderem auch Gedichte. Mir fallen einfach Worte oder Zeilen ein. Manchmal inspiriert mich ein Film, manchmal gehe ich auch nur die Straße entlang und höre, wie jemand etwas zu einem anderen sagt und das bleibt dann in meinem Kopf. Was das angeht, bin ich wie ein Schwamm. Worte haben mich schon immer fasziniert, auch wenn das „geeky“ klingt. Für einen Songwriter ist das aber eine gute Sache, quasi wie das Gehirn zu füttern.

Musikalisch wurdest du öfter mit Kate Bush verglichen. Dieser Vergleich gefällt dir aber nicht sonderlich.
Es ist nicht so, dass mir das nicht gefällt. Es kommt mir nur so vor, als würden eine Menge Journalisten alle Sängerinnen, die irgendwie mal die Stratosphäre erreichen, mit Kate Bush vergleichen.

Gäbe es denn jemanden, mit dem du gerne verglichen werden würdest?
Ich fühle mich extrem geehrt, mit Kate Bush verglichen zu werden.

Hast du musikalisch gesehen denn etwas mit ihr gemeinsam?
Der Grund, warum der Vergleich mit Kate Bush überhaupt entstanden ist, war ein Radiointerview zu meinem ersten Album. Ich denke, der Moderator hat den Vergleich eher wegen meiner Stimme als der Musik angestellt. Meine Musik ist mit dem zweiten Album wesentlich elektronischer geworden.

Ihr aktuelles Album "Arrows" führte Polly Scattergood auch nach Berlin / Foto: Frank Bauer

Ihr aktuelles Album „Arrows“ führte Polly Scattergood auch nach Berlin / Foto: Frank Bauer

Wer hat dich denn inspiriert?
Ich wurde inspiriert von Filmsoundtracks und mag die Struktur mit den verschiedenen Schichten bei der Produktion. Mit „Arrows“ bin ich verstärkt in diese Richtung gegangen. Ich experimentiere gerne mit Klängen. Deshalb ist es schwierig, nur einen Künstler festzulegen, der mich inspiriert hat. Es gab viel Musik, die ich während der Entstehung von „Arrows“ gehört habe und von der ich glaube, dass sie dann auch Einfluss auf das Album hatte, The Cure und Joy Division zum Beispiel.

Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?
Ich habe sehr früh begonnen und Klavier gespielt, seit ich denken kann. In der schrecklichen Zeit des Heranwachsens war das Songschreiben ein gutes emotionales Ventil für mich.

Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Ganz ehrlich: Ich wache jeden Tag auf und bin glücklich und dankbar, dass ich eine Musikerin sein darf. Das hört sich vielleicht etwas komisch an, aber heutzutage Musik als Fulltime-Job zu machen, ist ein Geschenk. Ich weiß, dass nicht jeder meine Musik verstehen oder sie schön finden wird, aber alleine die Tatsache, dass ich meine Alben aufnehmen darf, ist alles, was ich jemals wollte – eine Musikerin zu sein, Songs zu schreiben und ins Studio zu gehen.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.