Geniale Schweinigeleien

Nichts für Anstandsdamen – Mozarts Bäsle-Briefe

Manchmal ist es fast genauso amüsant, Mozarts Briefe zu lesen, wie seiner Musik zu lauschen. Im Falle der sogenannten Bäsle-Briefe ist das sogar ein besonders deftiges Vergnügen. Lange Zeit wurden diese Briefe, die Mozart zwischen 1777 und 1781 an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart (1758–1841) schrieb, von der Musikwissenschaft verschämt verschwiegen, gewähren sie doch einen Einblick in Mozarts Psyche, der so gar nicht in das traditionelle Bild des Musikheroen passen will.

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Wohnhaus Anna Maria Thekla Mozarts in Bayreuth (Foto: Bayreuth2009, Quelle: Wikimedia Commons)

Wohnhaus Anna Maria Thekla Mozarts in Bayreuth (Foto: Bayreuth2009, Quelle: Wikimedia Commons)

Dabei sind sie nicht nur ein Zeugnis eines unverkrampften verbalen Umgangs mit Sexualität und den menschlichen Bedürfnissen, wie er im 18. Jahrhundert durchaus noch üblich war. Sie beweisen auch, dass Mozart selbst – oder vielleicht gerade – hier in musikalischen Strukturen gedacht hat. Wenn er einen Absatz beispielsweise mit: „Oui, par ma la foi, ich scheiss dir auf’d nasen, so, rinds dir auf d’koi“ beendet, so ist das eben nicht einfach sprachliche Kraftmeierei, sondern vor allem eine Schlusswendung zum vorangegangenen Absatz, die strukturell seinen musikalischen Schlussbildungen entspricht.

Die in der Komposition übliche Verfahrensweise der gleich anschließenden Wiederholung der letzten Töne des Vorangegangenen setzt Mozart in den Bäsle-Briefen ebenfalls ein: „Ich habe dero mir so werthes schreiben richtig erhalten falten, und daraus ersehen drehen, daß der H: vetter retter, die fr. baaß has, und sie wie recht wohl auf sind hind“. Auch ständig wiederholte Einschübe wie das Wörtchen „curios!“ werden in musikalischer Weise behandelt.

Wenn man die Briefe an Mozarts Cousine unter diesen Gesichtspunkten liest, werfen sie mit ihren Analogien zu musikalischen Verfahrensweisen ein neues Licht auch auf Mozarts kompositorisches Denken. In jedem Falle aber macht es einfach Spaß, die kreative Ausgelassenheit zu beobachten, mit der der Komponist sein Bäsle beeindrucken möchte.

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