Älter heißt nur besser

Mit 48 Jahren fängt das Leben an

Eigentlich muss man sich die neue CD von Ina Müller gar nicht abspielen, um zu wissen, dass sie einen zum Lachen bringt: „Sie schreit nur noch bei Zalando“ oder „Wenn Dein Handy nicht klingelt“ heißen die Lieder und verraten schon, dass die Hamburger Powerfrau auch mit 48 Jahren nicht an beißendem Sarkasmus oder an der Freude zur feinfühligen Ironie eingebüßt hat.

Heute erscheint ihr neues Album „48“. Denn sie war schon immer vorlaut und da würde es auch verwundern, machte sie aus ihrem wahrem Alter einen Hehl.

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Von Altersmüde keine Spur: Ina Müller kokettiert wie immer auf ihrem neuen Album „48". Quelle: www.inamueller.de

Von Altersmüde keine Spur: Ina Müller kokettiert wie immer auf ihrem neuen Album „48″.
Quelle: www.inamueller.de

Vor gut drei Monaten hat sie dieses Alter erreicht – und widmet ihm nun ihr viertes Studioalbum. Auf diesem setzt sie sich passender Weise mit Falten, ansetzenden Bauchrollen und Resignation in Liebesdingen auseinander.

Wer sie aus ihrer Show „Inas Nacht“ kennt, weiß, dass die Quasselstrippe kein Blatt vor den Mund nimmt und für alles und jeden die treffenden, klugen und humorvollen Worte findet.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, was zur Hölle ist passiert. Ich hätt’ mich selbst fast nicht erkannt, mein Gesicht ist kollabiert“, singt sie beispielsweise. Und Teenager will sie dennoch nicht mehr sein: „Ich möchte heut kein Teenager mehr sein, meine Speckröllchen kaschieren.“

„Déja Vu“ erzählt sehr witzig von der Routine, die sich schnell in Beziehungen einstellt. Typisch müllerisch vertont sie die bekannten Alltagsprobleme in humorvolle Anekdoten, eine schnelle, flockige Melodie begleitet ihre scharfen Bemerkungen.

Ebenso besingt sie Herzschmerz: „Es nervt mich und ich bin angepisst, wenn du schon morgens so fröhlich bist (…) Doch, was mich am meisten fertig macht, was mich so richtig aus der Bahn wirft, das ist, wenn du nicht da bist“. Wie immer sind die Lieder der Cuxhavenerin in schöne, einprägsame poppig-rockige Mitsummelodien verpackt. Mal flirten die Songs mit schnellen Gitarren, in anderen Liedern geben melödiose Keyboard-Klänge den Ton an.

Ob sie sich damit auf ihren Lebensgefährten Johannes Oerding (32) bezieht? Die beiden sind schon seit einigen Jahren liiert. Die Harmonie scheint aber nach wie vor zu stimmen: Zum ersten Mal arbeiteten sie gemeinsam an Inas Werk und komponierten die Songs bei ihr zu Hause am Küchentisch. Aber auch Frank Ramond hatte wie gewohnt seine Hände im Spiel.

2006 begann ihre Solo-Karriere, seitdem hat sie mit jedem Album überzeugt und sich zu einer der beliebtesten deutschen Pop-Sängerinnen etabliert. Aber Stehenbleiben kommt für die norddeutsche Sängerin auch nicht in Frage. In „Pläne“ wagt sie sich erstmals ans sensible Thema Tod, in „Fünf Schwestern“ singt sie von inniger Familienverbundenheit.

Ein Album, das Laune macht, von schnellen Tanznummern bis hin zu gefühlvollen Balladen alles bietet und dabei wunderbar beweist, dass die Altersmilde ab 45+ sicherlich noch nicht einsetzt. Ähnlich wie Schuhe („Aktien geh’n oft in die Knie, nur Schuhe enttäuschen dich nie“) enttäuscht auch Ina Müller nicht auf ihrem neuen Album.

Ab heute ist „48“ in den Läden und bei Download-Diensten erhältlich, im Januar startet ihre Riesentour durch Deutschland. Da Ina Müller mit dem Alter ganz offensichtlich nur besser wird, ist erstklassige Live-Unterhaltung mit den Songs vom neuen Album jedenfalls garantiert!

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!