Gedanken vor der Filmpremiere

Ist David Garrett der neue Paganini?

Gestern hatte Niccolò Paganini Geburtstag, am Donnerstag kommt der neue Film von Bernard Rose in die Kinos, in dem der Stargeiger David Garrett sein Idol Paganini spielt. Grund genug, einmal einen Vergleich zwischen den beiden Violinvirtuosen anzustellen. Um es gleich vorweg zu sagen: Man kann nicht behaupten, dass David Garrett der Paganini unserer Tage ist, und vermutlich würde er diesen Anspruch selbst auch gar nicht erheben. Dazu ist die Figur des Genuesen einfach zu übermächtig und sein Einfluss auf die Musikgeschichte zu bedeutend. Geigerisch konnte ihm im 19. Jahrhundert zwar u.a. Louis Spohr eine Zeit lang Paroli bieten, was die Inszenierung seines eigenen Mythos anbelangt, bleibt Paganini indes unerreicht.

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Niccolò Paganini, Daguerreotypie  des 19. Jahrhunnders (unbekannter Fotograf, Quelle: Wiikimedia Commons)

Niccolò Paganini, Daguerreotypie des 19. Jahrhunnders (unbekannter Fotograf, Quelle: Wiikimedia Commons)

Immerhin gibt es aber zwischen Garrett und Paganini einige Parallelen, denen nachzugehen recht interessant ist. Das beginnt natürlich damit, dass beide über außergewöhnliche technische Fähigkeiten verfügen. Vor allem aber sind diese in beiden Fällen in ein ausgeklügeltes Marketing-Konzept integriert. Auch wenn es diesen Begriff zu Paganinis Zeit noch nicht gab, der Sache nach war das Image vom „Teufelsgeiger“, mit dem Paganini zeitlebens spielte, genau das.

Garrett scheint indessen zu versuchen, sich als neuen Paganini zu stilisieren, schon rein äußerlich durch die langen Haare und das extravagante Erscheinungsbild. Damit versucht er, als klassisch ausgebildeter Geiger auch in den Marktbereich der Popmusik vorzustoßen. Ähnliches könnte man auch bei Paganini sehen. Natürlich gab es noch keine Popmusik im heutigen Sinne, aber er hat es mit seiner Musik und seinem Auftreten geschafft, ungeahnte Massen in seine Konzerte zu locken.

Damals wie heute sehen das die Puristen der klassischen Musik eher skeptisch. So war z.B. die Meinung des ebenfalls berühmten Violinvirtuosen Louis Spohr über Paganini geteilt: „In seinen Kompositionen und seinem Vortrag ist aber eine sonderbare Mischung von höchst Genialem und Kindischem und Geschmacklosem, weshalb man sich abwechselnd angezogen und abgestoßen fühlt.“ Auch hier gäbe es durchaus Parallelen zu David Garrett zu entdecken.

Bleibt also festzuhalten, dass die Gemeinsamkeiten zwischen Garrett und Paganini vor allem in ihrem Vermarktungskonzept liegen. Das ist als Phänomen spannend genug und funktioniert natürlich nur deshalb, weil Garrett auch entsprechende musikalische Qualitäten zu bieten hat. Der neue Film wird das vermutlich ebenso unterstreichen wie Garretts soeben erschienen neue CD „Garrett vs Paganini“.

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