Herr B. sieht fern

Scripted Reality (Teil 3) – Der erste Dreh

„Wir wissen, das ist jetzt sehr kurzfristig, aber hättest du Zeit, übermorgen eine Rolle zu spielen. “ Ich lasse mir kurz erklären worum es geht und sage zu. „Wunderbar, wir schicken dir dann gleich das Drehbuch. Dispo und Kostüm melden sich noch bei dir.“

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Herr B. in einer Detektivgeschichte) Foto: Mick Baltes

Herr B. in einer Detektivgeschichte? Foto: Mick Baltes

Das ging ja schnell, denke ich mir nach dem Telefonat. Hat da ein Redakteur meinen wutschnaubenden Auftritt im Casting Video gesehen und gesagt: Den will ich unbedingt für die Rolle. Oder ist jemand abgesprungen, und ich bin nur die Zweitbesetzung, Letzteres halte ich für wahrscheinlicher.

Pflichtschuldig lese ich das ganze Drehbuch. Mit sehr viel Wohlwollen könnte man die Geschichte als Krimi bezeichnen. Zu meiner Freude, spiele ich einen von den bösen Jungs – den Manager eines Wettbüros, in dem natürlich auch illegale Geschäfte laufen. Ich habe zwei Szenen, eine Dialogszene und am Ende werde ich mit den anderen Missetätern festgenommen. Alles nichts Wildes. (dachte ich zumindest)

Ich melde mich an der Pforte des Studios. Kläre ein paar Formalitäten und zeige dann in der Kostümabteilung, welche Outfits ich für meine beiden Szenen mitgebracht habe. Dann schickt man mich in einen Warteraum. Hier lerne ich einige meiner Mitspieler kennen. Nach einer Stunde Warterei fährt man uns an den Drehort, um weiter zu warten. Ich unterhalte mich mit einem Mitspieler in Polizeiuniform. Er sieht aus wie das Lichtdouble vom William H. Macy. Der freundliche Polizist macht so was öfter und ist bei einer Reihe von Castingagenturen gemeldet.  Er gibt mir gleich eine Menge Tipps, wo ich mich noch überall anmelden soll und ist dann ganz überrascht, dass ich eigentlich gar nicht vorhabe, das weiter auszubauen.

Endlich geht es los. Zuerst wird die Verhaftungsszene gedreht. Im Drehbuch ist das nur ein unscheinbarer Satz. Zu meiner Überraschung entpuppt sich das Ganze jetzt als Actionszene. Es wird einmal alles für die Kamera durchgeprobt. Und schon wird gedreht. Im Moment des Zugriffs fliehe ich durch die Hintertür, laufe über den Hof, öffne das Tor zur Straße, wo schon ein Detektiv auf mich wartet, mir sein Knie in den Magen rammt und mich zu Boden wirft. Bis hierhin lief alles ganz gut. Aber hat schon mal jemand von Euch versucht aufzustehen, wenn man platt auf dem Bauch liegt und die Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt sind? Ich fühle mich wie ein gestrandeter Wal. Der Detektiv hilft mir zwar, aber ich bin ein ziemlicher Brocken und so dauert es eine Ewigkeit, bis ich endlich wieder auf die Beine komme. Und die Kamera läuft und läuft. Oh Mann, denke ich, hoffentlich schneiden die das.

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Über Mick Baltes

Jahrgang 1962, studierte Politikwissenschaft und Kunst in Duisburg. Hat Spaß an Blues, Rock und gutem Songwriting. Ist Cineast und TV-Junkie. Arbeitet als Redakteur und Webdesigner.