Herzlichen Glückwunsch!

90 Jahre Radio in Deutschland

„Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin im Voxhaus auf Welle 400.“ Dieser Moment gilt als die Geburtsstunde des regelmäßigen deutschen Sendebetriebs, die sich heute zum neunzigsten Male jährt. Zwar gab es bereits zwei Jahre zuvor eine erste Übertragung des Senders Königs Wusterhausen, doch wird dieses Ereignis mehrheitlich dem Bereich des Experiments zugeschlagen, zumal der Radioempfang für Privathaushalte bis 1923 noch untersagt war. Nach der Aufhebung des „Empfangsverbots“ setzte das neue Medium zu seiner Erfolgsgeschichte an, einer Erfolgsgeschichte, die bis heute fortgeschrieben wird. Aus gegebenen Anlass eine kleine, ganz persönliche Hommage.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Modell Siemens 31 (siemens.ch)

Modell Siemens 31 (siemens.ch)

Als ich Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts meine heimische Welt nach und nach entdeckte, zog der klobige Fernsehkasten natürlich auch meine Aufmerksamkeit auf sich. Doch die Bilder aus dem Schwarzweißfernsehen überforderten mich. Und wenn es interessant wurde, musste ich ins Bett. Als wesentlich faszinierender fand ich hingegen jene kleineren Kästen, die gleich dreifach in der elterlichen Wohnung vorhanden waren, und die ich, im Gegensatz zum Fernseher, auch manuell bedienen durfte. Denn da kam fast immer Musik heraus, so herrliche Musik! Ab und zu auch die Stimme eines Onkels oder einer Tante, aber dann brauchte ich nur an einem Knöpfchen zu drehen – schon erklang wieder diese wunderbare Musik! Und das Tollste: In unserem Auto gab so ein Wunderding auch, nur noch kleiner. Aber ich kam nicht ran, denn ich musste ja hinten sitzen.

Zu einem festen Ritual entwickelte sich das Hören eines wöchentlich ausgestrahlten Wunschkonzerts, gemeinsam mit meiner Mutter, aneinander gekuschelt den sich ständig wiederholenden Hörerwünschen lauschend: vom Gefangenchor aus „Nabucco“ über Simon and Garfunkel bis zu den Beatles. Es war jedoch mein Vater, der meinen heißtesten Wunsch erahnte und mir eines Tages, ich mochte fünf Jahre alt gewesen sein, ein Radiogerät mitbrachte, das ich fortan mein eigen nennen durfte. Es war knallrot, die Skala giftgrün, der Hersteller ITT. So wurde ich zum Radio-Junkie.

Modell Kurer aus Norwegen (Sindre Skrede)

Modell Kurer aus Norwegen (Sindre Skrede)

Neben den diversen Hitparaden (Mal Sondock) entdeckte ich meine Leidenschaft für das Auffinden von exotischen Sendern auf Kurz-, Mittel- und Langwelle. Oder auch für die bundesweiten Verkehrsdurchsagen des DLF, wenn ich die frühmorgendliche Abfahrt in den Urlaub kaum erwarten konnte. Bei meinem Onkel im Garten lief freilich immer nur Radio Luxemburg. Wenn ich da mal Anstalten machte, den Sender verstellen zu wollen, auf BFBS etwa – der Sender der Britischen Rheinarmee, der immer die aufregendste Musik brachte – erhob er drohend seinen imposanten Zeigefinger.

Mit den Jahren ließ das Interesse am Radio als Musikquelle zwar etwas nach (man konnte sich inzwischen ja Platten kaufen und sie auf Cassetten überspielen), dennoch verbinde ich mit dem Radio ganz besondere Momente. So zum Beispiel der erste Urlaub mit der ersten großen Liebe: Nächtelang … in unserem Studio an der belgischen Küste Canasta gezockt und dabei die „Stimme der DDR“ im Ohr (der Empfang war dort glasklar). Oder, schon in den Neunzigern, auf einem portugiesischen Campingplatz im VW-Bully die Bundesliga-Übertragung auf Mittelwelle verfolgen.

Heute begleitet mich das Radio rund um die Uhr, insbesondere nachts, wenn mal wieder eine Extraschicht ansteht. Ich habe meine Stammsender: einen für Information, einen für Hochkultur, einen zur locker beschwingten Untermalung. Da weiß ich, wofür ich Gebühren zahle, auch wenn ich das Programm längst übers Internet empfange. Vielen Dank, liebes Radio, alles Gute, bleibe gesund und munter.

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