Das Methörnchen

Nur weil du schwarz bist!

„Long hair, black jeans – That’s me, I am born to loose!“ Das sangen Gorilla Monsoon und ich sang es mit. Um mich herum nur Metal-Prototypen: Lange Haare, dunkle Hosen, scharze Band-Shirts. Für Metaller ist die äußere Erscheinung fundamental, denn innerhalb der Szene sendet sie verständliche Signale aus: Wer ein Bolt-Thrower-Shirt trägt, liebt Bolt Thrower; wer nur Patches unbekannter Bands aufnäht, zeigt, dass er über beide Ohren in der Szene steckt; wer einen Thors Hammer um den Hals hat, ist kein Christ.

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Foto: Markus Lauert

Foto: Markus Lauert

Heuchelt der Rest der Gesellschaft, dass man vom Äußeren nicht auf die inneren Werte schließen kann und darf, ist für Metaller das Äußere Ausdruck des eigenen Musikgeschmacks und der eigenen Persönlichkeit. Man gibt sich zu erkennen: Der Folk-Metaller mit dem Trinkhorn, der Black Metaller mit den Nieten, der Death-Metaller mit den Camouflage-Shorts. Was von außen auf den ersten Blick nach altmodischer Oberflächlichkeit aussieht, nach der Pflege von Vorurteilen und Schubladen-Denken, ist gleichzeitig eine Form der Kommunikation, ein sich zu erkennen geben, um sich einerseits abzugrenzen, andererseits aber auch, um Gleichgesinnte auf sich aufmerksam zu machen.

Vorurteile und Vorbehalte gegenüber der Metal-Szene bekomme ich, obwohl sie vorhanden sind, selten offen zu hören. Manchmal wird man angestarrt, manchmal gibt es einen Spruch, dass man wie Jesus aussehe oder ein Mädchen sei, dass man Satans-Musik höre oder aggressiv sei. Das alles wegen der schwarzen Kleidung, des Haarwuchses und der harten Musik. Darüber schmunzeln die meisten Metaller.

Weniger Nachsichtigkeit zeigen sie, wenn man sie kopiert werden, wenn der eigene Lebensstil zur Mode wird. Dagegen wehrt sich der Metaller mit aller Kraft, denn er ist das Gegenteil der wechselhaften, kurzfristigen, auf Kommerz angelegten Mode. Die Kutte hält dank unzähliger Bierduschen lebenslang und Stiefel mit Festivalschlamm werden nicht geputzt, die sind heilig! Lange Haare, dunkle Kleidung, Kutte samt Patches: Das ist ein zeitloser Gegenentwurf zu Schlaghose, Karo-Hemd und Baggy-Pants; das ist Teil einer Subkultur, die zwar kein gemeinsames politisches Programm verfolgt, aber die Werte Freiheit, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit schätzt.

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Über Markus Lauert

Westfälischer Lehramtsstudent, der neben seinem Studium journalistische Erfahrungen sammelt. Aus dem Metal-Bereich kommend, unternimmt er immer wieder Reisen in fremde Musik-Genres. Wohl fühlt er sich ebenfalls mit Postrock, Folk und Filmmusik.