Traummusik der Großstadt

Nils Petter Molvaer + Moritz von Oswald „1/1“

Ganz in sich versunken beginnt sie, die mit Spannung erwartete Kollaboration von Moritz von Oswald und Nils Petter Molvaer. Der Techno-Pionier und die Jazz-Trompeter-Legende lassen die Kickdrum und alle anderen Schlaginstrumente zunächst außen vor und widmen sich ganz dem Geräusch. Obwohl, auch wenn das erste Stück den Namen „Noise 1“ trägt, hat es mit Lärm kaum etwas zu tun. Eben eher im Sinne eines Geräuschs ist die Trompte Molvaers verhallt.

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Nils Petter Molvaer + Moritz von Oswald „1/1“, Cover: Emarcy

Nils Petter Molvaer + Moritz von Oswald „1/1“, Cover: Emarcy

Der Industriehallen-Klang bleibt dem Album „1/1“ dann auch über die gesamte Länge erhalten. Hier haben sich zwei Musiker gefunden, denen es Spaß macht, die emotionalen Grenzen, die man mit Musik erreichen kann, auszuloten. Beide sprechen dann auch von „Noirmusik“, also Traummusik, die so nur in der nächtlichen Großstadt gehört werden können. Musik, die wie Geräuschartefakte vergangener Ereignisse klingt und die einen im Idealfall mitnimmt auf die Reise ins eigene Ich. Erst recht, wenn die gemächlich treibenden Drums einsetzen.

Acht Tracks sind entstanden und gerade bei „Development“ mit seinem mächtigen aber doch irgendwie archcoolen Bass funktioniert die Melange aus den repetitiven Techno-Beats und der fast schon luziden Verspieltheit des Jazz’ von Nils Petter Molvaer am besten. Laut ist hier nichts, dunkel alles. Und das ist beileibe nichts Schlechtes. Nach dem letzten Lied wünscht man sich jedenfalls eine Fortsetzung der Zusammenarbeit dieser beiden eindrucksvollen Musiker.

Nils Petter Molvaer + Moritz von Oswald „1/1“ (Emarcy): Bereits erschienen.

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Über Philipp Demankowski

Philipp ist freiberuflicher Musikjournalist aus Dresden mit Schwerpunkt elektronische Musik. Daneben macht er Radio, legt Vinyl aus Überzeugung auf und ist Mitbetreiber eines Plattenlabels.