Aufgeräumte Popmusik

Glasser „Interiors“

Glasklar ist die Stimme von Glasser tatsächlich. So rein, dass ihre Popmusik manchmal sogar etwas zu glatt klingt. Ein Eindruck, der durchaus auch durch die Vorhersehbarkeit ihrer Lieder zustande kommt, denn die Breaks kommen immer an der genau richtigen Stelle. Aber das braucht gute Popmusik nun mal. Die Beats sind schleppend, tragen aber gottlob keinen Raver-Dubstep, obwohl Tempo und Arrangement durchaus daran erinnern.

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Glasser – Interiors, Cover: True Panther

Vielmehr klingt die Musik von Cameron Mesirow sehr nach Schlafzimmer-Elektronik. Alles ist eben zurechtgerückt. In ihrer Kleinteiligkeit erinnert sie an die letzten Alben von Björk. Ein Vergleich, mit dem sie auch wegen dem Timbre ihrer Stimme wohl leben muss. Es gibt aber durchaus weniger spannende Referenzpunkte. Wenn man sein Album „Interiors“ nennt, dann hat man eine gewisse Aufgeräumtheit und architektonische Strenge zumindest schon im Hinterkopf. Die Wärme des Debüts „Ring“ ist dagegen eher verschwunden

Am meisten Spaß macht das Album in den großen Momenten, dann wenn Glasser richtig laut Pop sagt. So wie bei „Keam Theme“, das allerdings im Mittelteil gebrochen wird und dann eben doch einmal überrascht. Wenn die epischen Synths und der Bass einsetzen, wird man wirklich mitgerissen. Glasser positioniert sich mit „Interiors“ neben Austra oder Bat For Lashes als famose elektronische Songwriterin, die keine Angst vor Popmusik hat und ihr großes Potential, ihre Stimme, gewinnbringend einzusetzen weiß.

Glasser „Interiors“ (True Panther): Bereits erschienen.

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Über Philipp Demankowski

Philipp ist freiberuflicher Musikjournalist aus Dresden mit Schwerpunkt elektronische Musik. Daneben macht er Radio, legt Vinyl aus Überzeugung auf und ist Mitbetreiber eines Plattenlabels.