Aliens in Amerika

30.10.1938: „War of the Worlds“ sorgt für Panik

Heute vor 75 Jahren befand sich Amerika im Ausnahmezustand. In den USA waren die Aliens gelandet und bedrohten das „Land of Hope & Glory“. Genau am 30. Oktober 1938 inszenierte Orson Welles (Citizen Kane) den „War of the worlds“, die Hörspielversion des gleichnamigen Buches von H.G.Wells, mit der Mecury Theatre Gruppe in New York als eine der ersten Dokus-Soaps, als Hörspiel im Reportagestil.

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Musikalische Adaption von Jeff Wayne von 1978. Foto: LP-Cover

Musikalische Adaption von Jeff Wayne von 1978. Foto: LP-Cover

Der amerikanische Radiosender CBS hatte sich für den Abend vor Halloween etwas ganz Besonderes ausgedacht. In Form einer fiktiven Reportage ging der „Krieg der Welten“ über den Äther. Die fiktive Story begann im kleinen Örtchen Grover’s Mill, New Jersey. Die Reaktionen, die die Reportage über den Alien-Angriff auf die USA auslöste, waren im ganzen Land zu verspüren.
Die amerikanischen Radiohörer nahmen die fiktive Reportage für bare Münze und verfielen teils in Angst und Panik. Besonderes Stilmittel der damaligen Radioreportage: Regisseur Orson Welles hatte die Dramaturgie so geschaffen, dass zwischen aktuellen Musikstücken immer wieder die neuesten Nachrichten über die Alien-Invasion eingeblendet wurden – wie im echten Radioprogramm. Nach Ausstrahlung des Hörspiels wurde in den Medien von Massenpanik und Todesopfern berichtet. Im Rückblick erscheinen diese Angaben wohl etwas übertrieben. Nach Aussagen des Senders CBS, war das Aufkommen besorgter Anrufer nur etwas höher als bei anderen Beiträgen. Trotzdem hinterließ das Hörspiel einen bleibenden Eindruck in der Welt. Selbst Adolf Hitler nahm damals in einer seiner Reden Bezug auf Orson Welles und sein Werk: „…in der künstlichen Panikmache, die am Ende so weit führt, dass selbst Interventionen von Planeten für möglich gehalten werden und zu heillosen Schreckenszenen führen“. Auch bei der Erstsendung des Hörspiels mit deutschen Sprechern im Jahre 1977, kam es zu besorgten Anrufen von Hörern des WDR.
Orson Welles errang mit seiner Hörspiel-Version Weltruhm und das Medium Radio wurde danach erst so richtig von der Industrie und Politik für Werbung und Marketing entdeckt. Über die Jahre gab es mehrere Kinofilme, die das Buch von H.G.Wells auf die große Leinwand brachten. Auch eine musikalische Adaption der Story findet sich in den Annalen. Jeff Wayne komponierte 1978 das vielumjubelte Konzeptalbum „Jeff Wayne’s Musical Version of the War of the Worlds“ – damals mit dabei David Essex und Justin Hayward (Moody Blues). Aber keine der neuen Versionen hat es jemals wieder geschafft, sein Publikum so mitzunehmen wie das Hörspiel von 1938.

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Über Guido Kaiser

Guido Kaiser | Studium: Germanistik und Medienwissenschaften - Beruf: Redakteur für verschiedene TV-, Print- und Online Medien - Tätigkeit: Presse-, Medien- und Marketingberatung - Hobbys: Musik verschiedenster Stile, Sport - besonders Fußball, Hunde