The Familiy Tree: The Branches

Review: Das neue Album von Radical Face

Ben Cooper ist niemand, der sich zu irgendetwas drängen lassen würde, und auch die goldene Regel des Musikbusiness, alle zwei Jahre ein neues Album rauszubringen, um nicht vergessen zu werden, scheint ihm völlig egal. Der Musiker und Autor aus Florida, der neben seinem Soloprojekt Radical Face auch als eine Hälfte des Duos Electric President fungiert, hat 2006 sein erstes Album ‚Ghost‘ veröffentlicht, und sich für das nächste Projekt erst einmal vier Jahre Zeit gelassen.

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Radical Face - The Family Tree: The Branches @ Nettwerk

Radical Face – The Family Tree: The Branches @ Nettwerk

‚Ghost‘ hat es nicht zuletzt wegen des Songs ‚Welcome home‘ zu einer gewissen Bekanntheit gebracht, das allerdings erst einige Jahre später, als ein großer Kamerahersteller den Song für eine Werbekampagne nutzte und Cooper so in kürzester Zeit Millionen von Youtube-Klicks einbrachte.

Seit diesem Album sind inzwischen einige Jahre ins Land gezogen, und Cooper hat sich in ein großes Projekt gestürzt. Für sein 2011 erschienenes Album ‚The Family Tree: The Roots‘ beschäftigte er sich mit Genealoge, studierte Stammbäume und amerikanische Zeitgeschichte, und erdachte sich eine Familie, deren Leben im 19. Jahrhundert er auf dem Album besingt. Dabei sind nicht nur die Geschichten, die er sie erleben lässt, realitätsnah, auch die Instrumente, die auf dem Album Verwendung finden, sind nur solche, die auch im 19. Jahrhundert schon verfügbar waren. Akustik-Gitarre und Klavier sind damit die tragenden Säulen seines Geschichtsprojektes, und zusammen mit seinem minimalen Songwriting, dem Gespür für Melodien und seiner butterweichen Stimme ergibt das ein mehr als stimmiges Gesamtbild.

Bei der Arbeit zu ‚Roots‘ wurde Cooper schnell klar, dass seine Idee Stoff für weitere Songs bieten würde, und so macht er nun mit seinem neuem Album ‚The Family Tree: The Branches‘ einfach da weiter, wo ‚The roots‘ aufgehört hatte. Im Intro werden wir von einer zarten Frauenstimme und zurückhaltenden Akkorden empfangen, um dann auf eine Reise geschickt zu werden, die mal voller Elan, mal von gnadenloser Schwere ist. Zugegeben, man muss Folk mögen, darf keine Abneigung gegen harmonisch gedoppelte Gesänge und gelegentliches Klatschen haben. Wer sich aber einmal auf die Geschichte eingelassen hat, der wird auch das Ende wissen wollen, und ein mögliches drittes Kapitel kaum abwarten können.

Das Album ‚The Family Tree: The Branches‘ erscheint am 01.November über das Label Nettwerk.

Die erste Single ‚Holy Branches‘ gibt es hier.

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