Häufig variiert und improvisiert

Ein neues Genre in Chopins Zeitalter

Als Vorläufer für Chopins gelungene Versuche in der formal kaum festgelegten Gattung, die gut zu Halloween oder zum Herbstwetter im November passt, gelten die Rhapsodien der tschechischen Komponisten Tomasek und Vorisek, die gewöhnlich der späten klassischen oder frühromantischen Phase zugerechnet werden. Ähnlichkeiten sind auch mit dem „Lied ohne Worte“ festgestellt worden, wobei der tragisch gefärbte Liedcharakter vor allem in Chopins Kompositionen eine Rolle spielte. Dieser liess sich aber nur inspirieren, etwa von Adam Mickiewiczs „Der Switez“, folgte aber nicht der Progression einer literarischen Vorlage.

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Ort häufiger Konzertveranstaltungen: Das Friederikenschlösschen in Bad Langensalza (Doris Antony, Berlin)

Bekannte Beispiele legte danach neben Franz Liszt Johannes Brahms mit seinem Opus 10 vor und als einen der prominenten Komponisten der Wende zum 20. Jahrhundert beschäftigte das Genre Claude Debussy. Seither diente es unter anderem der musikalischen Parodie und klassische Einzelwerke wurden getunet, verkitscht oder in ein poppiges Gewand gesteckt. Schon erraten, was gemeint ist?

Die häufig veränderte und improvisierte Form ist übrigens in Kürze in der Rosenstadt Bad Langensalza live zu hören: Unter dem Motto „Wer sagt denn, dass man zum Klavierspielen immer die Finger braucht?“ rezitiert der ungewöhnliche Pianist Holger Mantey im fürstlichen Friederikenschloss am 8. November 2013 um 19.30 Uhr klassische Werke dieser und anderer Art „Von Mozart bis Gershwin“ und überrascht dabei ebenso wie er mit seinen Interpretationen auch zum Schmunzeln Anlass gibt.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.